Hinter LONGGAME stehen Dr. Markus Trissler, Facharzt für Innere Medizin und für Kardiologie, und Laurenz Höft. Im LONGGAME Podcast übersetzen sie die Studienlage in Schritte für den Alltag.
Zu Content springen
LONGEVITY Hormone

#57 Hormone für Männer: Die 5 wichtigsten Punkte I Testo-Mangel erkennen & beheben I Östrogen & Progesteron

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Der durchschnittliche Mann hat heute deutlich weniger Testosteron als noch vor fünfzig, sechzig Jahren, im Schnitt rund 17 Prozent, in manchen Studien sogar bis zu 34 Prozent weniger. In der Praxis von Dr. Markus Trissler kommt das Thema immer häufiger auf den Tisch. In dieser Folge klären Markus und Laurenz, woran das liegt, wie du einen möglichen Mangel bei dir erkennst und was dann sinnvoll ist.

Themen:

  • Hormone: aktuelle Lage (01:30)
  • Warum ist Testosteron so wichtig? (05:00)
  • Wie wirkt Testosteron? (10:30)
  • Warum haben wir weniger Testosteron? (16:42)
  • Diagnostik & Vorgehen (18:24)
  • Einstellung des Wertes (42:54)
  • Wann Testosteron nicht nehmen (45:09)
  • Östrogen & Progesteron (46:20)

Show Notes

Hormone: aktuelle Lage (01:30)

  • Hormone beim Mann sind in der Praxis ein Dauerthema: Markus wird seit etwa fünf Jahren immer häufiger darauf angesprochen. Davor war es ein Tabu, weil ein niedriger Wert gefühlt mit weniger Männlichkeit gleichgesetzt wurde und der Mann „funktionieren" sollte.
  • Der Wert sinkt im Schnitt: Männer haben heute im Mittel rund 17 Prozent weniger Testosteron als vor etwa 50 bis 60 Jahren.
  • Performance als Treiber: Viele wollen mehr Leistung und fragen direkt nach einer Therapie. Markus bremst bewusst: Zuerst wird abgeklärt, wo jemand überhaupt steht.
  • Kein Bodybuilding: Bei einer medizinisch begleiteten Testosteronersatztherapie geht es um Mengen, die den Wert in den Bereich bringen, in dem er normalerweise liegen sollte. Laurenz' Vergleich: ein Bier gegen eine Flasche Wodka.

Warum ist Testosteron so wichtig? (05:00)

  • Wachstumshormon im weiten Sinn: Testosteron wirkt auf Knochendichte, Muskelwachstum, Stoffwechsel und damit auf die Energie.
  • Typische Anzeichen sind unspezifisch: kürzere Zündschnur, schlechtere Merkfähigkeit trotz Konzentration, dauerhafte Müdigkeit, wenig Lust, Dinge voranzutreiben, weniger Kraft im Sport. Anders als bei einer Depression macht man die Dinge noch, nur mühsamer. Gerade deshalb lässt sich alles leicht auf Stress oder schlechten Schlaf schieben.
  • Verbindung zu den Big Four: Laurenz zeigt, wie ein Mangel einzahlt: mehr Stress belastet Blutdruck und Gefäße, schlechterer Schlaf und weniger Training erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Diabetes. Mehr dazu in Folge 1.
  • Teufelskreis beim Abnehmen: Mehr Fettgewebe senkt das Testosteron, ein niedriger Wert erschwert das Abnehmen. Manchmal hebt Markus den Wert deshalb zuerst an, damit Abnehmen überhaupt gelingt.
  • Das Image ist schlechter als die Realität: Wer sich Präparate unkontrolliert beschafft, weiß nicht, wo er hinsteuert, und kann die eigene Hormonregulation nachhaltig durcheinanderbringen.
  • Wachstumsreiz: Testosteron ist ein anaboles Hormon. Gibt es im Körper bereits Zellen mit Krebs-Vorstufen, könnten sie zusätzlich angeregt werden. Deshalb wird vorher abgeklärt, dass da nichts ist. Markus' Fazit: kein No-Brainer, aber mit ärztlicher Begleitung auch kein Hexenwerk.

Wie wirkt Testosteron? (10:30)

  • Herkunft: Testosteron entsteht zu rund 95 Prozent im Hoden. Es gehört zu den Steroidhormonen und wird über mehrere Stufen aus Cholesterin und Vorstufen von Cortisol gebildet. Es gibt zudem eine noch aktivere Form.
  • Wechselspiel: Aus Testosteron kann auch Östrogen entstehen. Deshalb zählt immer das Verhältnis der Hormone zueinander.
  • Schlüssel-Schloss-Prinzip: Ein Hormon dockt an einen Rezeptor der Zelle an und löst dort einen Prozess aus, etwa mehr Energie oder mehr Wachstum.
  • Transport im Blut: Testosteron reist nicht frei, sondern an Eiweiße gebunden, nämlich an Albumin und SHBG. Markus nennt sie „Taxis".
  • Messen ist knifflig: Im Blut misst man das gebundene, inaktive Testosteron. Das freie, wirksame Testosteron lässt sich nicht direkt messen, sondern wird aus Gesamttestosteron, SHBG und Albumin berechnet. Ein sehr guter Gesamtwert kann trotzdem wenig Wirksames bedeuten, wenn viel gebunden ist.
  • Blutfette: Wer Blutfette senkt, senkt potenziell auch das Testosteron minimal mit. Zum Thema Cholesterin siehe Folge 2.

Warum haben wir weniger Testosteron? (16:42)

  • Äußere Umstände: Es gibt sehr einfache Stellschrauben, die die Produktion drücken: Stress, Übergewicht und Schlafmangel.
  • Fett als Bremse: Jede zusätzliche Fettzelle verringert die Testosteronproduktion, weniger Testosteron begünstigt wiederum mehr Fettzellen. Ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.
  • Zahlen: Im Schnitt liegt der Spiegel rund 17 Prozent niedriger als vor 40 bis 50 Jahren, einzelne Studien sprechen sogar von bis zu 34 Prozent.

Diagnostik & Vorgehen (18:24)

  • Start im Gespräch: Alltag, Fitness, Schwächezeichen, später auch Libido und Erektion. Markus erlebt Männer dabei als offen, wenn der Rahmen stimmt. Ein Hormonstatus gehört für ihn grundsätzlich zur Prävention. Mehr zu Hormonen im Blutbild in Folge 7.
  • Blutabnahme am Vormittag: zwischen 8 und 10 Uhr, weil Testosteron dann seinen Tagesgipfel hat. Nachmittags kann der Wert fälschlich niedrig-normal wirken.
  • Welche Werte: die Steuerhormone aus dem Kopf, FSH und LH, außerdem Testosteron, Östrogen, Progesteron, Prolaktin sowie SHBG und Albumin, um das freie Testosteron zu berechnen.
  • Einordnung: Liegt das Gesamttestosteron schon außerhalb der Norm, ist auch das freie zu niedrig. Sonst gilt: Liegt der Wert im unteren Drittel des Referenzbereichs und gibt es deutliche Symptome, ist das ein Anlass, genauer hinzusehen. Die Referenzwerte sind laborabhängig.
  • Realität im System: Viele Ärzte schauen nur aufs Gesamttestosteron und verweisen bei normalem Wert auf Stress und Schlaf. Die Berechnung und Begleitung kostet Zeit. Wer präventiv arbeiten will, muss laut Laurenz selbst Geld in die Hand nehmen und einen Spezialisten finden, der sich Zeit nimmt.
  • Erst Hebel, dann Kickstart? Schlaf, Gewicht, Bewegung und Stress beeinflussen die Hormonproduktion. Weil man mit niedrigem Testosteron aber kaum Energie für diese Hebel hat, kann ein behutsames Anheben sinnvoll sein. Was zuerst kommt, ist sehr individuell.
  • Zweite Kontrolle: Vor einer Therapie wird knapp eine Woche später erneut morgens gemessen, damit ein schlechter Tag oder eine kurze Nacht nicht den Ausschlag gibt.
  • Start mit Gel: Markus beginnt sehr sanft mit Testosteron-Gel auf Oberschenkel, Schulter oder Oberarm. Es wird über die Haut aufgenommen und liefert recht konstante Spiegel. Wichtig: Partnerinnen, Kinder und Haustiere sollten nicht damit in Kontakt kommen. Nach sechs Wochen werden die Blutwerte kontrolliert und die Dosierung angepasst.
  • Wann spürt man etwas? Nach etwa zwei Wochen verändert sich oft die Grundenergie, nach vier bis sechs Wochen Sport und Leistungsfähigkeit, die sexuellen Funktionen nach rund sechs Wochen. Ein Teil davon spielt sich im Kopf ab: Manche melden schon nach zwei Tagen große Besserung, obwohl sich in den Blutwerten kaum etwas tut.

„Willkommen in der Welt der Psyche." – Markus

  • Alle Altersgruppen: Markus hatte Patienten in den Dreißigern und einen Patienten Anfang 80, bei dem nach dem Hormonausgleich das Potenzmittel Sildenafil wegfallen konnte, weil Alltag, Sport und Muskeln besser liefen.
  • Spritze als Alternative: Reicht das Gel nicht oder müsste man zu große Mengen auftragen, kommen Spritzen infrage, etwa als Depot alle zwei Wochen, wöchentlich oder in kleinen Dosen alle drei Tage für einen gleichmäßigeren Spiegel. Das ist eine individuelle Entscheidung.
  • Check vor dem Start: Ultraschall der Bauchorgane, Blutwerte mit indirekten Hinweisen und immer ein Besuch beim Urologen. Er schließt unter anderem Prostatakrebs, Hodenkrebs und Brustkrebs aus. Ein kleines Restrisiko bleibt, ist bei Dosen im physiologischen Bereich aber verhältnismäßig gering.
  • Familiäre Vorbelastung: Bei Prostatakrebs in der Familie ist das Risiko potenziell höher. Ist aktuell nichts da und der Urologe unauffällig, kann es trotzdem passen. Auch die Prostata wächst unter Therapie nicht nennenswert stärker als ohnehin.
  • Kontrolle nach sechs Wochen: Hormone und Träger-Eiweiße, Leberwerte, der Prostatawert PSA und das Blutbild. Testosteron kann die Blutbildung anregen, dickeres Blut erhöht das Risiko für Gerinnsel, das Markus vermeiden will.
  • Wie lange? Markus unterscheidet, ob der Hoden nicht produzieren kann, vom Kopf zu wenig Signal kommt oder die Ursache funktionell ist. Wenn Energie da ist, stellt er das Umfeld ein (Stressmanagement, Training, Gewicht) und macht dann einen Auslassversuch. Das Hormon wird ausgeschlichen, danach wird weiter gemessen. Der Wert kann zuerst fallen, sollte sich nach etwa zwei bis drei Monaten wieder einpendeln. Nach sehr hoher Dosierung kann es im Extremfall ein bis zwei Jahre dauern.

Einstellung des Wertes (42:54)

  • Übersubstitution vermeiden: Wer mehr zuführt, als der Körper im Normbereich bräuchte, fährt die eigene Produktion herunter. Der Körper kann sich entwöhnen und danach schwer wieder anspringen.
  • Die Sorge beim Absetzen: Laurenz fragt, ob dann nicht dieselben Themen zurückkommen. Markus betont deshalb die enge Begleitung: klar kommunizieren, wo man steht, was bereits verändert wurde, und mental mitnehmen, damit man nicht auf jede Veränderung wartet.
  • Zeit ist der Engpass: Diese Begleitung kostet Zeit, die im Kassensystem oft fehlt. Für Markus ist genau diese Anbindung aber das Wichtigste.

Wann Testosteron nicht nehmen (45:09)

  • Kinderwunsch: Testosteron kann Menge und Qualität der Spermien beeinflussen (Spermatogenese). Bei Kinderwunsch sollte es deshalb eigentlich nicht gegeben werden. Üblich ist: absetzen, und nach dem Erfolg kann man wieder beginnen.
  • Aus der Praxis: Zwei Patienten hatten trotz Therapie lange erfolglos versucht, Vater zu werden, und riefen später an, mit dem Hinweis:

„Testosteron ist kein Verhütungsmittel." – Markus

  • Lebenssituation verstehen: Testosteron wird nicht pauschal gegeben, sondern passend zur Lebenssituation.

Östrogen & Progesteron (46:20)

  • Östrogen aus Testosteron: Ein Enzym, die Aromatase, wandelt Testosteron teilweise in Östrogen um. Auch Männer brauchen Östrogen, zum Beispiel für den Knochenstoffwechsel.
  • Zu viel ist unerwünscht: Ein Überschuss kann zu Brustwachstum (Gynäkomastie) und unreiner Haut führen. Deshalb schaut Markus bei einer Therapie, wie stark die Umwandlung ausfällt und wie die Haut reagiert.
  • Progesteron beim Mann: Es wirkt im Gehirn dämpfend und unterstützt das Einschlafen. In seltenen Fällen wird es beim Mann gegeben, um den Schlafrhythmus wiederherzustellen.
  • Die ganze Hormonkette im Blick: Wer behandelt, muss sich mit dem Zusammenspiel auskennen und das Gleichgewicht überwachen. Eine Folge zu den weiblichen Hormonen ist angekündigt.

Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Artikel und Produkte, über die wir sprechen, hier verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Artikeln und Produkten keine Geschäftsbeziehung oder werden für die Nennung vergütet.

Du willst mehr von LONGGAME?

Melde dich für unseren Newsletter an, um keine weiteren Folgen zu verpassen.
Melde dich zum Newsletter an
LonggamePodcast