Hinter LONGGAME stehen Dr. Markus Trissler, Facharzt für Innere Medizin und für Kardiologie, und Laurenz Höft. Im LONGGAME Podcast übersetzen sie die Studienlage in Schritte für den Alltag.
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LONGEVITY Krankheit Stress

#55 Olivier: -20 Kilo in 6 Monaten I Blutfette & Entzündungen optimiert I I Schilddrüse repariert (LongTales #2)

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Olivier ist 53, seit über 30 Jahren in der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche und hat in dieser Zeit Karriere, Familie und Vermögen aufgebaut. Die Gesundheit lief nebenher mit, bis das Gewicht von 75 auf 105 Kilo gestiegen war. In der zweiten Ausgabe von LongTales erzählt er gemeinsam mit Dr. Markus Trissler und Laurenz, was sich seit seinem Start bei LONGGAME verändert hat.

Themen:

  • Intro (00:00)
  • Vorstellung Olivier (02:35)
  • Der Weg zu longgame (04:15)
  • Bestandsaufnahme (05:45)
  • Oliviers Reaktion auf den IST-Zustand (11:02)
  • Das Vorgehen (12:52)
  • Schilddrüse (17:56)
  • Gewichtsreduktion (21:12)
  • Veränderungen (31:45)
  • Blutwerte (35:15)
  • Erschöpfung (42:58)
  • Blutfette (46:11)
  • Warum Medikamente? (48:40)
  • Alltagsgewohnheiten (53:05)
  • Umgang als Familie (55:28)

Show Notes

Vorstellung: 30 Jahre Vollgas und 30 Kilo mehr (02:35)

  • Olivier ist 53, hat drei erwachsene Kinder und arbeitet seit über 30 Jahren in der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche. Sport war für ihn vor allem Laufen.
  • In diesen drei Jahrzehnten stieg sein Gewicht von 75 auf 105 Kilo. Karriere, Familie und Vermögensaufbau standen vorn, die Gesundheit galt als selbstverständlich, denn es lief ja. Selbst einen Halbmarathon schaffte er trotz Übergewicht aus dem Stand.

Der Weg zu LONGGAME (04:15)

  • Olivier kannte das Team aus den immocation-Reisen zu Immobilien und Steuern. Als die Gesundheitsreise startete, war für ihn klar, dass er dabei ist.
  • Er ahnte, wo seine Problemfelder lagen: Gewicht, Schlaf und Alkohol als festes Abendritual zum Runterkommen.
  • Beim Schlaf war die Schlafapnoe bereits festgestellt. Sein extremes Schnarchen belastete ihn, und seine Frau, selbst Krankenschwester, hatte ihn immer wieder darauf angesprochen.

Bestandsaufnahme: Ein bunter Strauß an Risikofaktoren (05:45)

  • Die Bestandsaufnahme zeigte, was bei Übergewicht häufig vorkommt: deutlich erhöhte Entzündungswerte und stark erhöhte Blutfette, darunter das Cholesterin.
  • Dazu kam ein genetischer Risikofaktor: ein erhöhtes Lipoprotein(a). Oberhalb eines bestimmten Werts steigt das familiär bedingte Risiko für Ablagerungen in den Gefäßen stark an. Mehr zum Longevity-Blutbild in Folge 6.
  • Beim Blutzucker war Olivier trotz Übergewicht unauffällig. Auffällig war dagegen eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die in Richtung Unterfunktion ging. Wie sich die Schilddrüsenwerte einordnen lassen, erklärt Folge 7.
  • Olivier vergleicht seine Lage mit einem hohen Blutdruck: Man fühlt sich gut, der Körper läuft auf Hochtouren, und man merkt nicht, in welche Richtung man rennt.
  • Markus sieht dieses Muster häufig, wenn sich jemand ganz auf Beruf und Karriere konzentriert. Stress und unregelmäßiges Essen fördern das Übergewicht. Bei Olivier war es eine besonders intensive Ausprägung.

Oliviers Reaktion: Umparken im Kopf (11:02)

  • Das Intensivwochenende empfand Olivier als überwältigend, aber im positiven Sinn. Es löste bei ihm sofortiges Umsteuern aus.
  • Seine Prioritäten verschoben sich, ohne dass er weniger für Familie oder Job getan hätte. Verändert hat sich vor allem sein Blick beim Frühstück, beim Abendessen und auf das Weinglas.

Das Vorgehen: Vier Baustellen mit einem Plan (12:52)

  • Gewicht stand über allem, denn an ihm hängen Cholesterin, Schlaf und die Entzündungsprozesse. Ohne Gewichtsabnahme fehlt bei allen anderen Maßnahmen der Hebel.
  • Blutfette senkte Markus parallel auch mit Medikamenten. Aus Oliviers Risikoprofil ergab sich, dass die Zielwerte allein über Gewicht und Ernährung nicht zu erreichen wären, selbst im Idealgewicht.
  • Schlaf wurde überwacht, denn Atemaussetzer können auch vom Atemzentrum im Gehirn gesteuert sein, unabhängig vom Gewicht.
  • Die Schilddrüse musste in Gang kommen, damit der Körper überhaupt die Energie für Stoffwechselprozesse aufbringt.
  • Ernährung, Stressregulation und Bewegung begleiten das Ganze. Bei der medikamentösen Gewichtsabnahme achtet Markus darauf, dass die Muskulatur erhalten bleibt.
  • Laurenz fasst es so zusammen: Ziel ist, die großen vier Krankheiten zu vermeiden, nämlich Krebs, Demenz, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

„Ich sage immer, Herz ist der Motor, aber Schilddrüse ist die Brennstoffzelle." – Markus

Schilddrüse: Gegen eine Wand anarbeiten (17:56)

  • Schon vor Jahren hatte Oliviers Hausarzt auf nicht ganz gute Schilddrüsenwerte hingewiesen. Angegangen wurde es nie. Dazu kommt eine familiäre Veranlagung: Auch Oliviers Mutter hat eine Unterfunktion.
  • Trotz Lauftreff und Bewusstsein hatte er keine Chance, solange das zentrale Organ nicht mitspielt.
  • Der Schlaf besserte sich durch die Gewichtsabnahme so stark, dass seine Frau wieder gut neben ihm schlafen kann. Für Olivier war das eine reine Gewichtssache.
  • Markus erinnert sich an den Moment, in dem Olivier sagte, er bekomme jetzt vier Jahre Wartezeit zurückgeschenkt. Markus sieht darin ein Problem des Systems: Man wartet zu lange, oder es fehlt die Möglichkeit, sich in Ruhe mit den Feinheiten zu befassen.
  • Olivier wünscht sich einen Systemwechsel hin zu mehr Prävention. Sein Arzt wollte beim Blutcheck alle Werte abnehmen, die Kasse übernahm aber nur zwei, und es kam trotzdem eine Zuzahlung.

„Du arbeitest gegen eine Wand." – Olivier

Gewichtsreduktion: Warum die Spritze dazukam (21:12)

  • Olivier hatte jahrzehntelang alles versucht, unter anderem Low Carb. Die Ursache lag aber woanders.
  • Markus nennt zwei Gründe für die Abnehmspritze: Dem Körper fehlte wegen der Schilddrüse die Energie zum Abnehmen, und der Abstand zum Zielgewicht war so groß, dass der klassische Weg sehr lange gedauert hätte. Schnelle sichtbare Erfolge motivieren außerdem und beschleunigen die Wirkung der übrigen Bausteine.
  • Eingesetzt wurde der Wirkstoff Tirzepatid. Nach der Studienlage ist der Abnehmeffekt etwas höher als bei Semaglutid, teils bei besserer Verträglichkeit.
  • Die Substanz stammt aus der Diabetesforschung und dämpft zusätzlich das Verlangen, zum Beispiel nach dem Glas Wein am Abend. Markus beobachtet Ähnliches bei Rauchern.
  • Start mit der niedrigsten Dosis von 2,5 Milligramm. Markus steigert nicht starr nach Kalender, sondern erst dann, wenn Gewichtsabnahme oder Hungerunterdrückung nachlassen, um Übelkeit, Erbrechen und eine Reizung der Bauchspeicheldrüse zu vermeiden.
  • Typische Begleiterscheinungen sind weniger Appetit, ein flaues Gefühl im Magen, Müdigkeit durch das Kaloriendefizit und eine veränderte Verstopfung, also eher Verstopfung oder Durchfall. Nach fünf bis sechs Tagen lassen die Beschwerden nach. Markus rät zu einem festen Spritztag in der Wochenmitte.
  • Olivier hat die Spritze fast ohne Nebenwirkungen vertragen. Seine Frau ermunterte ihn, trotz fehlendem Hunger auf Eiweiß zu achten, zum Beispiel mit Joghurt oder Haferflocken. Alles zum Thema Eiweiß in Folge 15.
  • In Deutschland gilt Übergewicht inzwischen als Erkrankung. Markus betont, dass man jemandem auf der Straße nicht ansieht, ob die Ursache zu viel Essen ist oder ein Stoffwechsel, der nur auf 30 % läuft.
  • Krafttraining war für Olivier neu. Er war immer Ausdauersportler und hatte trotz 20 bis 25 Kilo Übergewicht sogar einen Marathon geschafft.

Veränderungen: Von 105 auf 85 Kilo (31:45)

  • Seit dem Wochenende Ende Januar sank Oliviers Gewicht von 105 auf 85 Kilo. Er vergleicht die 20 Kilo mit 80 Päckchen Butter. Beim Laufen fühlt er sich wie auf Federn.
  • Der Schlaf änderte sich sofort: Nach wenigen Wochen schnarchte er nicht mehr, schlief tiefer und fühlte sich morgens nicht mehr gerädert. Dazu trug auch der Verzicht auf Alkohol nach 20 Uhr bei.
  • Vor der Gewichtsabnahme hatte er etwa 10 Atemaussetzer pro Stunde. Eine Maske und zwei Anläufe im Schlaflabor brachten ihm keine dauerhafte Lösung. Markus beschreibt jeden dieser Aussetzer als Erstickungsstress für den Körper.
  • Laurenz fällt auf: Der HNO-Arzt setzte auf die Maske, das übergeordnete Problem war aber das Übergewicht.

Blutwerte: LDL von 180 auf 76 (35:15)

  • Das Gesamtcholesterin lag bei 248, das LDL bei 180. Im November 2025 waren es 174. Als grober Referenzwert gelten unter 150, manche Labore nennen unter 125. Mit Lipoprotein(a) im Risikoprofil sollte das LDL mindestens unter 70 liegen.
  • Im März 2026 lag das LDL nach zwei Monaten bei 76, eine Senkung um mehr als die Hälfte.
  • Homocystein ist ein Zwischenprodukt im Aminosäurestoffwechsel, das Entzündungsprozesse antreiben kann. Olivier lag bei knapp 15, schulmedizinisch sollte der Wert unter 12 liegen. Markus setzt strenger an. Der Hebel sind Vitamin B6 und Vitamin B12, die Olivier supplementiert hat. Aktuell liegt der Wert bei knapp 11.
  • Beim Schilddrüsenwert TSH gilt eine Spanne von 0,4 bis 4 als normal. Markus strebt bei einer Autoimmunerkrankung einen Wert unter 1 an. Olivier startete bei knapp 4, schulmedizinisch gerade noch normal, aber in der Zusammenschau mit erhöhten Antikörpern eine relative Unterfunktion. Heute liegt er bei knapp 2.
  • Das Schilddrüsenhormon wird vorsichtig und niedrig dosiert gegeben. Eine zu starke Überfunktion würde Herzrhythmusstörungen, Hitzewallungen und innere Unruhe verursachen. Nach sechs bis acht Wochen wird kontrolliert, wo sich der Wert einpendelt.
  • Beim Endokrinologen bekam Olivier trotz jahrelanger Beobachtung der Werte keinen Termin. Selbst bei Erkrankten liegen die Wartezeiten bei drei bis fünf Monaten.

Erschöpfung: Abends um 9 war Schluss (42:58)

  • Olivier war abends früh platt. Verabredungen mit ihm lagen am besten um 17 oder 18 Uhr, ab 21 Uhr schlief er. Heute ist er abends deutlich wacher, seine Energie am Morgen hatte er schon vorher.
  • Die Erkrankung heißt Hashimoto-Thyreoiditis: Der Körper bildet Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe, wodurch zu wenig Hormon entsteht. Auf das Immunsystem selbst kann man nicht einwirken, man gleicht das fehlende Hormon aus.
  • Eine Autoimmunerkrankung bringt zusätzlich Entzündungsprozesse mit sich und führt in eine Abwärtsspirale. Markus sagt, Olivier habe fast jeden Entzündungstrigger angeknipst gehabt, außer dem Rauchen.

„Du bist der einzige Mensch, den ich kenne, der beim Reden einschläft." – Olivier (zitiert einen Freund)

Blutfette: Statin plus Ezetimib (46:11)

  • Blutfette waren Oliviers Baustelle, nicht der Zucker. Davon wusste er vorher kaum etwas, obwohl ein enger Freund schwer daran erkrankt ist und in der Familie, etwa beim Großvater, etwas bekannt war.
  • Eingesetzt wurde ein Statin in mittlerer Dosierung. Die Leber bildet dadurch mehr LDL-Rezeptoren, fischt mehr Fett aus dem Blut und baut es ab.
  • Höhere Dosen bringen nur noch wenig zusätzlichen Effekt, erhöhen aber das Risiko für Muskelkrämpfe und schwere Beine. Für einen Ausdauer- und Kraftsportler ist das ein Nachteil.
  • Deshalb kommt zusätzlich Ezetimib dazu. Es verhindert, dass Cholesterin aus dem Darm ins Blut gelangt. Die Kombination wirkt stärker, die nächste Kontrolle steht noch aus.

Warum Medikamente? (48:40)

  • Laurenz fragt als Advocatus Diaboli, warum nicht einfach der Lebensstil geändert wird.
  • Markus: Rein über den Lebensstil wären Zeit, hohe mentale Stärke und ein Umfeld nötig, das voll mitzieht. Die Schilddrüse lässt sich nur mit Hormonen in den Griff bekommen. Beim Cholesterin wäre Olivier mit seinem Risikoprofil nie in die Zielwerte gekommen, die Arteriosklerose zu einem Nicht-Thema machen. Am ehesten wäre noch das Gewicht über die Zeit zu schaffen gewesen.
  • Wer Cholesterin und Gewicht allein über Ernährung steuern will, muss an 365 Tagen im Jahr perfekt sein. Das ist laut Markus nahezu unmöglich.
  • Olivier erlebt das Wissen um die Zusammenhänge als hochmotivierend. Es erklärt ihm, warum seine vielen Anläufe ins Leere liefen. Er ist überzeugt, dass ohne die Veränderung in den nächsten 5 bis 10 Jahren ein Herzinfarkt oder Schlaganfall gedroht hätte.

„…dann ist ab heute die Ernährung deine Pille." – Markus

Alltagsgewohnheiten: Der schwierigste Teil (53:05)

  • Olivier sieht sich noch am Anfang. Das Bewusstsein hat sich verändert, schwierig ist der Einbau in ein volles Leben mit vielen Projekten.
  • Sein realistisches Ziel für die nächste Zeit: zweimal pro Woche Kraft, einmal pro Woche Ausdauer.
  • Beim Kraftsport fehlt ihm die Kontinuität. Er schafft es bis zum ersten Muskelkater, dann folgt eine Woche Pause. Die Hürde ist auch, sich zum Gang ins Studio zu überwinden.
  • Eine Idee: wie Marco ein paar Hanteln zu Hause bereitstellen und morgens 10 bis 20 Minuten trainieren.

Umgang als Familie (55:28)

  • Oliviers Frau ist medizinisch gebildet und hat die Reise mitgemacht, wenn auch weniger extrem. Eiweiß spielt bei beiden inzwischen eine große Rolle.
  • Sie hat allein durch veränderte Ernährung über 10 Kilo abgenommen. Bei ihr ist Zucker die Baustelle, bei Olivier waren es Fette und Fleisch.
  • Die Kinder sind 19, 21 und 23 und gehen ihren eigenen Weg. Für Olivier und seine Frau ist die Gesundheitsreise eine gemeinsame neue Mission, jetzt, wo die Kinder aus dem Haus gehen.

Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Studien, Artikel und Produkte verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Inhalten keine Geschäftsbeziehung und werden für die Nennung nicht vergütet.

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