Hinter LONGGAME stehen Dr. Markus Trissler, Facharzt für Innere Medizin und für Kardiologie, und Laurenz Höft. Im LONGGAME Podcast übersetzen sie die Studienlage in Schritte für den Alltag.
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Update

#56 Ich hab Schiss vor Krebs. Das ist mein Plan (Marcos Tagebuch Folge 15)

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Krebs macht vielen Menschen Angst, auch Marco, Mitgründer von LONGGAME. In dieser Folge von Marcos Longevity-Tagebuch erzählt er, wie er mit 40 versucht, sich auf die richtige Seite der Wahrscheinlichkeit zu stellen. Der Anlass: Er war gerade zur Magen-Darm-Spiegelung. Seine Familiengeschichte mit Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs macht das Thema für ihn greifbar. Gleichzeitig ordnet er ein, dass nur etwa die Hälfte aller Krebsfälle als vermeidbar gilt.

Themen:

  • Intro (00:00)
  • kein Rauchen & Alkohol (02:10)
  • Normalgewicht (02:52)
  • Ausdauer & Kraftsport (03:23)
  • Entzündungen (04:24)
  • Vorsorge: Was sich lohnt (08:20)
  • Magen-Darm Spiegelung (11:18)
  • Screening: was bringt es? (15:43)

Show Notes

Kein Rauchen, kein Alkohol (02:10)

  • Rauchen: Laut Marco gehen in Deutschland rund 19 % aller Krebsfälle aufs Rauchen zurück. Er hat selbst viel geraucht und vor einem Jahr auch das Vapen komplett gelassen.
  • Alkohol: Gelegentlich ist für ihn in Ordnung, grundsätzlich soll das Thema aber raus. Es geht darum, einen Lebensstil zu finden, in dem das Leben auch ohne Alkohol Spaß macht.

Normalgewicht (02:52)

  • Gewicht und Bewegungsmangel: Zusammen lassen sich wahrscheinlich etwa 20 % aller Krebsfälle darauf zurückführen.
  • Persönliche Einordnung: Marco muss um sein Gewicht kämpfen und war viele Jahre 5 bis 10 Kilo übergewichtig. Normalgewicht ist aus seiner Sicht für so gut wie jeden erreichbar.

Ausdauer und Kraftsport (03:23)

  • Große Beobachtungsstudie: Marco zitiert eine Studie mit 1,44 Millionen Menschen, die 11 Jahre lang beobachtet wurden. Die aktivsten 10 % hatten bei 13 Krebsarten ein niedrigeres Risiko als die inaktivsten 10 %, etwa bei Speiseröhre (minus 42 %), Leber (minus 27 %), Lunge (minus 26 %), Niere (minus 23 %) und Magen (minus 22 %).
  • Ausdauer vs. Kraft: Bei Ausdauer ist die Datenlage klarer, bei Kraft weniger eindeutig, aber in dieselbe Richtung. Beides gehört für Marco rein. Mehr zum Ausdauertraining gibt es in Folge 9.
  • Persönlich: In seinen 20ern hat Marco kaum Sport gemacht, Ende 20 hat er die Kurve bekommen. Heute bewegt er sich jeden Tag.

Entzündungen (04:24)

  • Chronische Entzündungen: Dauerhafte, niedrigschwellige Entzündungsprozesse erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Krebs. Sie lassen sich schwer greifen und kaum direkt messen.
  • Kurzfristiger Reiz: Ein erhöhter Entzündungsmarker im Blut am Tag nach dem Krafttraining ist kein Problem. Das ist ein vorübergehender Reiz, der zum Muskelaufbau gehört.
  • Was hilft: wenig Bauchfett, guter Schlaf, viel Bewegung und nicht rauchen. Omega-3-Fettsäuren wirken nach Marcos Einordnung entzündungshemmend, aber nur wenig. Die Ernährung ist der größere Hebel.
  • Zucker und Blutzucker: Marco versucht, Zucker, Weißbrot und Nudeln zu vermeiden, um den Blutzucker niedrig zu halten und Insulinspitzen zu vermeiden (mehr zum Hintergrund: Insulinresistenz). Sein HbA1c liegt bei 5,5, früher war er schon bei 5,2. Das möchte er wieder verbessern.
  • Körpergefühl als Indikator: Sodbrennen ist für Marco ein Zeichen, dass er die letzten Tage nicht das Richtige gemacht hat. Kaffee, Alkohol, Rauchen und viele Plätzchen sind bei ihm typische Auslöser.

Vorsorge: Was sich lohnt (08:20)

  • Zwei Arten von Screening: Manche Untersuchungen erkennen Vorstufen, sodass Krebs gar nicht erst entsteht. Andere finden Krebs, der schon da ist, dafür aber früher und damit besser behandelbar. Nicht jede Untersuchung ist sinnvoll, manche haben selbst Risiken.
  • Bauchspeicheldrüse als Beispiel: Marcos Oma ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Ein Screening per MRT oder CT wäre denkbar, würde aber in etwa 20 bis 30 % der Fälle zu einer riskanten Operation führen, obwohl es doch kein Krebs war. Bei einem Lebenszeitrisiko von rund 1,5 % wird deshalb nicht gescreent.
  • Warum früh anfangen: Der schlimmste Satz wäre für Marco, dass die Prognose mit einem Screening drei Jahre früher deutlich besser gewesen wäre. Deshalb will er früh Transparenz.
  • Was er schon gemacht hat: Prostata mit dem PSA-Wert, dazu eine Magen-Darm-Spiegelung. Die Lunge wurde im Rahmen eines Herz-CTs mit untersucht und war unauffällig. Bei der Haut ist er überfällig. Zum Thema Früherkennung gibt es auch Folge 8.

Magen-Darm-Spiegelung (11:18)

  • Zeitpunkt: Die offizielle Empfehlung für die Koloskopie gilt ab 50. Marco hat sie bewusst früher machen lassen, auch wegen Darmkrebs in der Familie.
  • Vorbereitung: Der unangenehmste Teil. Ein paar Tage vorher wird die Ernährung angepasst, am Vorabend gibt es zwei Spülungen, die Nacht ist kurz und morgens gibt es nichts zu essen.
  • Untersuchung: Sie dauert typisch 15 bis 30 Minuten, mit leichter Narkose über die Vene. Marco hat nichts gespürt und den Befund direkt danach bekommen.
  • Befund: Die Gastroskopie war unauffällig, bei der Koloskopie wurde ein kleiner Polyp entfernt, der als Routine gilt. Weil die Darmreinigung nicht ausreichend war, soll die Koloskopie innerhalb eines Jahres wiederholt werden.
  • Was man hätte finden können: Helicobacter pylori gilt als große Ursache für Magenkrebs, bei Marco war er nicht da. Gefunden wurde nur eine leichte, chemisch bedingte Gastritis ohne Auffälligkeit. Auch eine Barrett-Schleimhaut in der Speiseröhre lag nicht vor. Dabei baut die Schleimhaut sich um und kann zu Krebs führen. Marco will weiter regelmäßig nachsehen lassen.

Screening: Was bringt es? (15:43)

  • Abdeckung: Marco hat per KI recherchieren lassen, welche Krebsarten sich durch Screening abdecken lassen. Er betont, dass es nur grobe Zahlen sind. Prostata 12,5 %, Lunge 6,8 % (bei Rauchern), Darm 5,7 %, Magen 1,5 % und Speiseröhre 1,1 %, dazu Haut und Hoden. Zusammen liegt das Lebenszeitrisiko für diese Gruppe bei rund 30 %. Es wird dadurch nicht kleiner, aber früh erkannt.
  • Kaum screenbar: Weitere rund 13 bis 14 % Lebenszeitrisiko entfallen auf Krebsarten wie Harnblase, Niere, Bauchspeicheldrüse, Leber und Hirn. Hier helfen vor allem Lebensstil und Prävention. Mehr dazu in Folge 3.
  • Bluttest auf Tumor-DNA: Findet nach Marcos Stand ein Frühstadium nur in etwa 20 bis 30 % der Fälle. Für ihn aktuell noch nicht brauchbar.
  • Ganzkörper-MRT: Bei etwa jedem Dritten wird etwas gefunden, das harmlos ist. Eine Studienlage, die zeigt, dass es Leben rettet, gibt es bisher nicht. Für Marco ein Nice-to-have.
  • Fazit: Der Lebensstil ist der große Hebel. Jeden Tag viel Bier und Zigaretten und dafür fleißig zum Screening ist keine sinnvolle Strategie. Danach kommen die Klassiker mit großer Wirkung: Prostata, Magen-Darm und Haut, bei Frauen zusätzlich die Gebärmutter beim Frauenarzt.

Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Artikel und Produkte, über die wir sprechen, hier verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Artikeln und Produkten keine Geschäftsbeziehung oder werden für die Nennung vergütet.

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