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Getting started

#8 Getting Started 8 – Krebs erkennen und vermeiden (mit Marco von immocation)

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Markus, Marco und Laurenz nehmen sich die zweite große Säule der Krebsprävention vor: das Screening. Die Kernbotschaft: Auch wenn 40 % aller Krebserkrankungen durch Lebensstil vermeidbar sind, bleibt ein erhebliches Restrisiko – und das lässt sich nur durch konsequente Vorsorgeuntersuchungen früh genug erkennen. Wer früh erkennt, kann fast immer heilen. Wer zu spät kommt, hat keinen Spielraum mehr.

Themen:

  • Krebs in Zahlen: Was uns realistisch erwartet (00:50)
  • Vorstufen erkennen: Wenn aus Polypen kein Krebs wird (05:30)
  • Die Frage nach der Familienhistorie (09:43)
  • Darmkrebs: Vorsorge ab 50 – oder früher (07:55)
  • Wann Selbstzahlen sinnvoll ist und wann nicht (14:53)
  • Hautkrebs-Screening: maximaler Nutzen, null Risiko (17:25)
  • Brustkrebs: Ultraschall, Mammografie, Selbstuntersuchung (22:09)
  • Hodenkrebs und Prostatakrebs (28:20)
  • PSA-Wert: Änderungsrate ist wichtiger als Absolutwert (31:32)
  • Lungenkrebs und andere schwer screenbare Krebsarten (39:21)
  • Krebsverteilung nach Geschlecht (45:09)
  • Persönliche Risikoaufnahme: 60–70 Fragen, die helfen (48:31)

Show Notes

Krebs in Zahlen: Was uns realistisch erwartet (00:50)

  • Rund 20 % der Bevölkerung in Deutschland versterben an einer Krebserkrankung – die Zahl der Erkrankungen ist deutlich höher
  • Etwa 30-40% aller Krebserkrankungen sind durch Lebensstil vermeidbar (siehe auch Getting Started Folge 3): kein Rauchen, wenig/kein Alkohol, normales Gewicht, Bewegung
  • Bleiben 60-70 % Restrisiko – diese sollen durch Screening früh erkannt werden
  • Je früher die Erkennung, desto besser die Heilungschance – oft sogar mit Heilungsperspektive

Vorstufen erkennen: Wenn aus Polypen kein Krebs wird (05:30)

  • Bei vielen Krebserkrankungen gibt es Vorstufen, die noch keinen Krebs sind, aber das Risiko erhöhen
  • Klassisches Beispiel: Polypen im Darm – Schleimhaut-Aussackungen mit mutierten Zellen
  • Wer einen Polyp im gesunden Gewebe entfernen lässt, hat das Krebsrisiko an dieser Stelle vom Tisch
  • Folge: engmaschigere Kontrollen, weil weitere Polypen entstehen können

„Bin ich fünf Jahre früher zum Screening gegangen, hätte man den Polyp rausgeschabt. Der wäre nicht eskaliert." – Marco

Die Frage nach der Familienhistorie (09:43)

  • Familienhistorie immer mindestens bis Verwandte 2. Grades zurückverfolgen:
  • Eltern, Geschwister, Großeltern (Pflicht)
  • Onkel, Tanten, Cousins, Cousinen (sinnvoll)
  • Wichtig: Bleibt der Krebs in der eigenen Blutlinie oder kommt er von angeheirateten Familienmitgliedern? Nur die Blutlinie ist genetisch relevant
  • Einmaliges Auftreten erhöht das Risiko bereits – mehrere Fälle in einer Linie verstärken es
  • Empfehlung: Wenn Krebs in der Familie aufgetreten ist, das entsprechende Screening früher als die Leitlinien-Empfehlung beginnen

Darmkrebs: Vorsorge ab 50 – oder früher (07:55)

  • Leitlinien-Empfehlung: Darmspiegelung (Koloskopie) ab 50, danach alle 2 Jahre Stuhltest auf Blut
  • Bei familiärer Vorbelastung oder Raucherhistorie: deutlich früher (z. B. Mitte 40)
  • Die Untersuchung läuft unter Sedierung (Propofol) – man bekommt nichts mit
  • Stuhl-Bluttest ist eine niederschwellige Alternative – aber nicht 100 % zuverlässig, weil Blut im Stuhl ungleichmäßig verteilt sein kann
  • Bei der Koloskopie wird oft auch der Magen mitgespiegelt – wichtig bei Reflux/Sodbrennen, weil dadurch Speiseröhrenkrebs erkannt werden kann

Wann Selbstzahlen sinnvoll ist und wann nicht (14:53)

  • Bei nicht-invasiven Untersuchungen (Hautkrebs-Screening, Ultraschall) gibt es keine Downside – kann theoretisch täglich gemacht werden
  • Bei invasiven Eingriffen (Darmspiegelung, Mammografie) muss das Risiko/Nutzen-Verhältnis stimmen:
  • Darmperforation bei Koloskopie ist selten, aber möglich
  • Mammografie erzeugt Strahlenbelastung – Überdiagnostik kann selbst Risiko erzeugen
  • Frühe Untersuchungen außerhalb der Leitlinien: ja, wenn berechtigtes Risikoprofil (Familienhistorie, Lebensstil)

Hautkrebs-Screening: maximaler Nutzen, null Risiko (17:25)

  • Ab dem 35. Lebensjahr jährlich zum Dermatologen
  • Hautkrebs ist heimtückisch: Das gefährliche Melanom wächst oft nach innen, nicht nach oben – und gelangt schnell in die Blutbahn
  • Folge: aggressive Metastasenbildung im gesamten Körper bei einem oberflächlich harmlos aussehenden Fleck
  • Untersuchung dauert wenige Minuten, ist nicht invasiv – aber Vorsicht: nicht jeder Arzt nimmt sich wirklich Zeit. Wer einen 35-Sekunden-Termin bekommt, sollte den Arzt wechseln

Brustkrebs: Ultraschall, Mammografie, Selbstuntersuchung (22:09)

  • Brustkrebs ist mit ca. 31 % die häufigste Krebsart bei Frauen
  • Ab dem 30. Lebensjahr jährlich:
  • Abtasten (auch durch sich selbst – beim Duschen, bewusst einseifen)
  • Ultraschall beim Gynäkologen
  • Mammografie wegen Strahlenbelastung nicht jährlich, sondern nach Indikation als Kontrolluntersuchung bei Auffälligkeiten
  • Bei Auffälligkeit: Gewebeprobe (Biopsie) und Bewertung im Labor
  • Therapieoptionen sind vielfältig: brusterhaltende OP, Chemotherapie, Bestrahlung, Hormontherapie – die komplette Brustabnahme ist nur eine von vielen Optionen

Hodenkrebs und Prostatakrebs (28:20)

  • Bei Männern wird ab dem 45. Lebensjahr jährliche Vorsorge empfohlen – mit familiärer Vorbelastung früher (ab Mitte 30)
  • Hodenkrebs: Abtasten (selbst und durch Urologen) + Ultraschall
  • Prostatakrebs: 30 % der Krebserkrankungen bei Männern
  • Abtasten per Finger – aber die Aussagekraft ist begrenzt
  • Transrektaler Ultraschall als modernere Standardmethode
  • Bei Auffälligkeiten: MRT der Prostata mit hoher Sensitivität

PSA-Wert: Änderungsrate ist wichtiger als Absolutwert (31:32)

  • Der PSA-Wert lässt sich im Blut bestimmen – ein wertvoller Indikator
  • Wichtig: Nicht der Absolutwert zählt, sondern die Änderungsrate. Auch im „normalen" Bereich kann ein Anstieg um 1,5 Punkte ein Frühzeichen sein
  • Markus hat zwei Patienten mit signifikantem PSA-Anstieg im Normbereich erlebt – bei beiden wurde sehr früh Krebs gefunden und vollständig geheilt
  • Wichtige Hinweise zur Messung:
  • Vor der Blutentnahme: 1 Woche kein Radfahren, kein Geschlechtsverkehr, weicher Stuhlgang
  • Immer im selben Labor messen – verschiedene Labore haben unterschiedliche Testansätze
  • Markus' eigene Routine: jährlicher PSA-Test, Ultraschall ab 40, alle 5 Jahre ein MRT

Lungenkrebs und andere schwer screenbare Krebsarten (39:21)

  • Lungenkrebs: schwer screenbar – nur über Röntgen oder CT mit Strahlenbelastung
  • Im Herz-CT wird ein Teil der Lunge mitgesehen – aber nicht vollständig
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs: einer der aggressivsten Krebsformen, schwer früh zu erkennen
  • Ultraschall ist eingeschränkt (Organ oft luftüberlagert)
  • MRT mit Kontrastmittel ist die beste Untersuchung
  • Nierenkrebs, Leberkrebs, Schilddrüsenkrebs: lassen sich gut im jährlichen Standard-Ultraschall mit anschauen

Krebsverteilung nach Geschlecht (45:09)

Zahlen vom DFKZ (2023):

Frauen:

  • Brust: 31 %
  • Darm: 10 %
  • Lunge: 10 %
  • Haut (Melanom): 5 %
  • Gebärmutterkörper: 5 %

Männer:

  • Prostata: 30 %
  • Lunge: 12 %
  • Darm: 11 %
  • Haut: 5 %
  • Harnblase: 5 %
  • Bauchspeicheldrüse: 3,6 %

Zusatz: Persönliche Risikoaufnahme: 60–70 Fragen, die helfen (48:31)

Markus will beim ersten Kontakt mit seinem Patienten erstmal die Lebensrealität der Menschen verstehen, hierzu zählen folgende Bereiche:

  • Familienhistorie: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Autoimmunerkrankungen, Demenz, Schilddrüsenfunktion
  • Eigene Symptome: Übergewicht, Bluthochdruck, Asthma (auch Belastungsasthma), Schilddrüsenanzeichen
  • Lebensumstände: Sport (Form, Häufigkeit, Dauer), Schlaf (Einschlafen, Durchschlafen, nächtliches Wasserlassen)
  • Familienstruktur: Kinder im Haus, Alter der Kinder, Aufgabenverteilung
  • Arbeit und Stress: Beruflicher Druck, Schlafstörungen durch Verantwortung
  • Ernährung: Was, wann, wie viel

„Allein der Prozess, sich diese Fragen einmal zu stellen, ist schon wertvoll und schafft Awareness. Was nicht gemessen wird, kann nicht verbessert werden." – Laurenz

Markus' Lieblingsfrage ist: „Sind Kinder im Haus?" – sie verändert Tagesstruktur, Stress und Schlaf so grundlegend, dass sie viele andere Faktoren beeinflusst

Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Artikel und Produkte, über die wir sprechen, hier verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Artikeln und Produkten keine Geschäftsbeziehung oder werden für die Nennung vergütet.

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