Hinter LONGGAME stehen Dr. Markus Trissler, Facharzt für Innere Medizin und für Kardiologie, und Laurenz Höft. Im LONGGAME Podcast übersetzen sie die Studienlage in Schritte für den Alltag.
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LONGEVITY

#47 Rotlicht-Therapie: Was ist dran am Hype?

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Rotlichtlampen tauchen überall auf: gegen Schmerzen, für die Haut, für die Haare, sogar bei Demenz. Aber was steckt tatsächlich dahinter, und lohnt sich die Anschaffung für deinen Alltag? In dieser Folge ordnen Markus und Laurenz das Thema ein, mit dem Blick des Präventivmediziners auf die Studienlage und mit den Fragen eines Laien, damit am Ende etwas Umsetzbares übrig bleibt.

Themen:

  • Intro (00:00)
  • Warum reden alle über Rotlicht? (02:02)
  • Was es bringt? (03:59)
  • Wie funktioniert Rotlicht? (05:02)
  • Wann macht es Sinn? (07:23)
  • Wie groß ist der Effekt? (15:36)
  • Worauf beim Kauf achten? (21:04)
  • Preise (26:13)
  • Anwendung (27:13)

Show Notes

Was Rotlichttherapie ist und was nicht (02:02)

  • Keine Wärmelampe: Die rote Lampe aus dem Discounter, die bei einer Erkältung Wärme spendet, hat mit Rotlichttherapie nichts zu tun. Bei der Therapie geht es nicht um Wärme, sondern um bestimmte Lichtqualitäten.
  • Zwei Wellenlängenbereiche: Sichtbares Rotlicht liegt bei etwa 600 bis 700 Nanometer. Das nicht sichtbare Nah-Infrarot reicht von etwa 700 bis 1200 Nanometer. Gute Lampen können beide Wellenlängen einzeln oder gleichzeitig ausgeben.
  • Drei Effekte in der Zelle: Die Zelle bildet mehr ATP, also ihre Energieeinheit. Kurzzeitig entstehen freie Sauerstoffradikale als kleiner Reiz, ähnlich wie bei leichtem Sport, der den Körper besser macht. Über Stickstoffmonoxid wird außerdem die Durchblutung hochgefahren.

Warum Licht in der Zelle etwas anstößt (05:02)

  • Licht als Signal: Viele Abläufe im Körper brauchen Licht. Markus vergleicht es mit der Photosynthese der Pflanzen, bei der eine bestimmte Lichtlänge in den Blattzellen Eiweiße aktiviert. Bei uns läuft es ähnlich, etwa bei der Bildung von Vitamin D.
  • Energie in den Mitochondrien: Das Licht regt die Mitochondrien an, mehr Energie herzustellen. Der zugehörige Stoffwechselweg ist der Citratzyklus.
  • Auch im Sonnenlicht enthalten: Nah-Infrarot kommt in der Natur vor, weil es im Sonnenlicht steckt. Eine Rotlichtlampe liefert quasi einen Extrakt davon, ohne die schädliche UV-Strahlung.

Wundheilung und Schmerz: die beste Datenlage (07:23)

  • Wundheilung: Hier sind die Belege am stärksten. Das Licht fördert die Durchblutung und die Bildung neuer kleiner Gefäße (Angiogenese). Dadurch kommen mehr Nährstoffe an und Abfallprodukte werden besser abtransportiert.
  • Chronische Wunden: Der Ansatz kam ursprünglich aus dem Bereich der chronischen Wunden, die nicht richtig zugehen oder immer wieder aufgehen. Häufig betrifft das Menschen mit Diabetes, bei denen die Wundheilung ohnehin schlechter läuft. Auch nach Operationen kann das verletzte Gebiet unterstützt werden.
  • Überreizte Sehnen und Schmerzen: Auch bei Reizzuständen, etwa an Sehnen nach Überlastung, zeigt sich ein Nutzen. Rotlicht kann Schmerzen spürbar lindern, ersetzt aber keine klassische Schmerztherapie.

Sport und gezieltes Anwenden (10:24)

  • Regeneration: Beim Training entstehen kleine Muskelschäden. Unter Rotlicht fällt weniger Zellabfall an, und der Rest wird durch die bessere Durchblutung schneller abtransportiert.
  • Mehr Kraft, nicht mehr Muskeln: Vor dem Training aktiviert das Licht die Mitochondrien, der Muskel hat mehr Energie zur Verfügung. Das bringt einen Kraftzuwachs. Muskelmasse baut das Licht nicht auf, aber wer mehr Kraft hat, kann im Krafttraining mehr Reiz setzen.
  • Gezielt statt Ganzkörper: Das Licht gehört auf die Stelle, die behandelt werden soll, also auf die Wunde, das Knie oder die Muskelgruppe des Trainingstages. Sich komplett hineinzustellen bringt wenig.

„Es gibt auch hier in dem Fall wirklich mal den Grundsatz, der nicht greift, viel hilft viel." – Markus

  • Regeneration messen: Ein Blutwert dafür ist die Kreatinkinase (CK). Je höher sie ist, desto weniger erholt ist der Muskel.

Haut und Haare (13:53)

  • Haut: Rotlicht regt die Bildung von Kollagen Typ 1 und 3 an. Das unterstützt Elastizität und Straffung der Haut.
  • Haarwachstum: An den Haarfollikeln (siehe Haar) werden Zellteilung und Durchblutung angeregt. So können dünne oder ausfallende Haare besser nachwachsen.

Wie groß sind die Effekte? (15:36)

  • Wunden: Hier kann Rotlicht Wunden, die der Körper allein nicht schließt, tatsächlich zur Heilung bringen.
  • Schmerz, Haut, Haare: In diesen Bereichen wirkt Rotlicht unterstützend und lindernd. Wer Mitte 40 ist, bekommt dadurch keine Haut wie mit 15, und eine üppige Lockenmähne wie bei einem Komponisten entsteht auch nicht.
  • Einordnung: Rotlicht ist eine Mikro-Optimierung. Zuerst kommen die großen Longevity-Säulen: Schlaf, Sport mit Ausdauer und Kraft, Ernährung samt Supplements und medizinische Vorsorge. Mehr zu den Grundlagen gibt es in Folge 1, zum Ausdauertraining in Folge 9.

„Ich kann mich nicht einfach nur hinsetzen und Rotlicht drauf machen und sagen, in zwei Wochen stehe ich dann wieder auf und alles ist gut, ohne was zu tun." – Markus

  • Zusammen mit der Therapie: Wer sich am Knie verletzt hat, kommt an der Physiotherapie nicht vorbei. Rotlicht kann sie ergänzen, nicht ersetzen.

Demenz: vielversprechend, aber noch offen (18:52)

  • Die Idee: Bei Demenz lagern sich Eiweiße im Gehirn ab und stören die Nervenzellen. In ersten Untersuchungen lösten sich solche Ablagerungen unter Rotlicht ein Stück weit auf.
  • Mehr Verknüpfung: Zusätzlich entstehen offenbar neue Synapsen, weil ein dafür wichtiges Enzym vermehrt gebildet wird. Bei Betroffenen hat sich die Denkleistung leicht verbessert.
  • Was noch fehlt: Die Daten schwanken stark. Ob sich die zuvor „verklebten" Zellen wirklich so weit erholen, dass sie ihre Arbeit wieder aufnehmen, ist noch nicht geklärt. Die Studien laufen weiter, es gibt aber einen Trend in die richtige Richtung.

Worauf beim Kauf achten (21:04)

  • Drei Angaben, die ein Hersteller machen sollte: Leistung in Watt, Bestrahlungsstärke pro Quadratzentimeter und Energiedichte. Vor allem die Energiedichte entscheidet darüber, in welchem Abstand und wie lange du die Lampe nutzen musst.
  • Energiedichte: Ein guter Bereich liegt bei etwa 30 bis knapp 100 Joule pro Quadratzentimeter, 60 bis 80 sind sicher gut. Ab etwa 200 Joule pro Quadratzentimeter wird es kontraproduktiv, mehr bringt dann keinen zusätzlichen Nutzen.
  • Beide Wellenlängen: Die Lampe sollte Rot und Nah-Infrarot ausspielen können, einzeln oder gleichzeitig.
  • Infrarotsauna ist etwas anderes: Eine Infrarotwärmekabine arbeitet mit anderen Wellenlängen und bringt für diese Therapieform nichts.
  • Seriöser Hersteller: Wer Energiedichte, Abstand und Anwendungsdauer angibt, arbeitet in der Regel sauber. Nur dann kannst du überhaupt prüfen, ob die Lampe die Energiedichte erreicht, um die es geht.
  • Beispiele, die die Kriterien erfüllen: Alle vier Hersteller unten bieten Rot (660 nm) und Nah-Infrarot (850 nm) an und nennen Bestrahlungsstärke, Abstand und Anwendungsdauer. Die Energiedichte pro Sitzung ist daraus berechnet (Bestrahlungsstärke mal Sekunden) und liegt bei allen im genannten Bereich. Die Preise sind Herstellerangaben vom September 2026 und ändern sich.
    • Photon Panel M von Photon Pro: 660 und 850 nm, 88 mW/cm² bei 50 cm Abstand, empfohlen sind 10 Minuten bei 40 bis 60 cm. Das ergibt etwa 48 bis 58 Joule pro Quadratzentimeter. Preis rund 600 Euro.
    • Gen70 von heilys: sechs Wellenlängen zwischen 630 und 850 nm, 77 mW/cm² bei 15 cm (Spektrometermessung), etwa 10 Minuten pro Körperbereich. Das ergibt etwa 46 Joule pro Quadratzentimeter. Laut Herstellerseite CE-zertifiziert und als Medizinprodukt Klasse I eingestuft. Preis rund 670 Euro.
    • NanoPRO1800 von NanoROTLicht: 660 und 850 nm im Verhältnis 1:1, über 140 mW/cm² bei 10 bis 30 cm, Standardanwendung 10 Minuten. Das ergibt bei 10 Minuten mindestens etwa 84 Joule pro Quadratzentimeter. Preis rund 1.500 Euro.
    • Mitohacker 5.0 von MITO LIGHT: sechs Wellenlängen zwischen 630 und 850 nm, 90 mW/cm² bei 15 cm (Spektrometermessung), 10 bis 20 Minuten. Das ergibt etwa 54 bis 108 Joule pro Quadratzentimeter. CE, UKCA und RoHS, aber nicht als Medizinprodukt ausgewiesen. Preis rund 2.000 Euro.
  • Worauf du bei den Zahlen achten solltest: Manche Hersteller geben zwei Messwerte an, einmal mit Spektrometer und einmal mit Solarmeter, wobei der Solarmeter deutlich höhere Werte zeigt. Für die Rechnung oben habe ich jeweils den niedrigeren Spektrometerwert genommen. Bei Lampen, die nur eine Bestrahlungsstärke ohne Abstand nennen oder keine Anwendungsdauer, lässt sich die Energiedichte nicht nachrechnen.

„Wenn jemand sowas ausschreibt, dann ist es eine seriöse Firma." – Markus

Preise (26:13)

  • Große Spanne: Die Preise reichen von etwa 50 Euro bis zu rund 5.000 Euro. Gute Lampen gibt es schon ab etwa 150 Euro.
  • Medizinprodukt: Teure Geräte tragen oft die Einstufung als Medizinprodukt. Das heißt, sie haben einen anderen Testlauf durchlaufen. Auch Lampen ohne diese Einstufung können gut funktionieren.

Anwendung im Alltag (27:13)

  • Häufigkeit: Ein- bis zweimal am Tag ist sinnvoll, die Tageszeit ist an sich egal. Viele nutzen die Lampe morgens, weil das System nach der Nacht ausgeruht ist.
  • Richtwerte: Als groben Anhaltspunkt nennt Markus einen Abstand von etwa 8 bis 10 Zentimetern über etwa 10 Minuten. Je nach Lampe reichen die Herstellerangaben von 7 bis 15 Zentimetern und 10 bis 30 Minuten.
  • Vor oder nach dem Sport: Für mehr Kraft und Energie im Training eine Viertel- bis halbe Stunde vorher auf die Muskelgruppe, die du trainierst. Für die Regeneration ist die Anwendung nach dem Sport besser. Vor dem Training hat die Zelle mehr Energie und der Muskel wird weniger überbeansprucht.
  • Am Kopf: Es gibt inzwischen sogar Kappen mit eingebautem Rotlicht, die den ganzen Kopf bestrahlen.

Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Artikel und Produkte, über die wir sprechen, hier verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Artikeln und Produkten keine Geschäftsbeziehung oder werden für die Nennung vergütet.

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