#37 Krebs Deep-Dive
Krebs ist eines der größten Angstthemen überhaupt, dabei sind nach aktuellem Wissensstand bis zu 45 Prozent aller Krebstode vermeidbar. In dieser Folge nehmen sich Markus und Laurenz das große Ungetüm Krebs vor und klären, warum es überhaupt entsteht, was es so gefährlich macht und wie sich das eigene Risiko systematisch senken lässt. Es geht nicht um Panikmache, sondern um ein klares Verständnis der Mechanismen und ein konkretes System, mit dem jeder Hörer für sich selbst einschätzen kann, wo er steht und was er tun kann.
Themen:
- Was macht Krebs so gefährlich? (02:01)
- Die häufigsten Krebsarten in Deutschland (08:43)
- Wie entsteht Krebs (11:42)
- Was ist ein entzündliches Milieu? (22:04)
- Risiko senken: was kann ich tun? (29:20)
- Krebsvorsorge: Was in welchem Alter? (47:10)
- Behandlung und Ausblick (1:00:50)
Show Notes
Was macht Krebs so gefährlich? (02:01)
- Krebs: entsteht, wenn eine Zelle aus den normalen Regulationsmechanismen des Körpers ausbricht und sich bei der Zellteilung unaufhörlich weiter vermehrt, statt sich wie vorgesehen selbst zu begrenzen.
- Der eigentliche Gefahrenmoment kommt erst, wenn der wachsende Zellhaufen die Grenze seines Organs überschreitet und über Blutbahn oder Lymphsystem in andere Organe streut. Man spricht dann von einer Metastase.
- Ein wachsender Tumor zieht dem Körper aktiv Nährstoffe und Blutversorgung ab und zerstört umliegende Zellverbindungen, wodurch der Körper zunehmend aus seinem Gleichgewicht gerät.
„Das ist wie der Efeu im Tulpenfeld." – Markus
Die häufigsten Krebsarten in Deutschland (08:43)
- Bei Männern ist Prostatakrebs mit 29 % die häufigste Krebsart in Deutschland, gefolgt von Lungenkrebs (12 %) und Darmkrebs (rund 11 %).
- Bei Frauen führt Brustkrebs mit 31 %, danach folgen Darmkrebs und Lungenkrebs.
- Weltweit gibt es jährlich rund 19,3 Millionen Neuerkrankungen, mit einer Prognose von 28 Millionen bis 2040. In Deutschland sind es knapp 500.000 Neuerkrankungen jährlich – die altersbereinigte Häufigkeit ist über die letzten zehn bis fünfzehn Jahre dabei relativ stabil geblieben.
Wie entsteht Krebs (11:42)
- Bei jeder Zellteilung muss die DNA verdoppelt werden. Passiert dabei ein Fehler, stoppen normalerweise Reparaturmechanismen den Prozess, bis der Fehler behoben ist.
- Krebs entsteht auf zwei Wegen: entweder fällt dieser Stopp-Mechanismus aus, oder das Signal zur Zellteilung hört nicht mehr auf, obwohl es sollte. In beiden Fällen wird das Genom mit jeder weiteren Teilung instabiler.
- Damit eine entartete Zelle dauerhaft gefährlich wird, schirmt sie sich zusätzlich ab: Sie baut eigene Blutgefäße zur Selbstversorgung auf und schafft ein saures Milieu, in dem Immunzellen kaum wirksam eingreifen können.
- Warum die Evolution Krebs nicht einfach ausmerzt, erklärt Markus mit einem Bild aus dem Straßenverkehr: Der Körper lernt über Generationen, auf bekannte Gefahren zu reagieren, aber jede neue Mutation ist eine völlig neue Situation, auf die er sich erst wieder einstellen müsste. Verschärft wird das dadurch, dass Krebs meist erst nach der Fortpflanzung auftritt, wodurch die Evolution ihn kaum herausselektieren kann.
„Du hast eine Autobahn, in der du fährst, und es funktioniert immer." – Markus
Was ist ein entzündliches Milieu? (22:04)
- Eine Entzündung ist im Kern ein Aufräumprozess des Immunsystems: fehlerhafte Zellen werden erkannt und ersetzt. Läuft dieser Prozess dauerhaft überdurchschnittlich stark, passieren bei der erhöhten Zellteilungsrate auch mehr Fehler.
- Die größten Auslöser eines entzündlichen Milieus sind laut Markus Rauchen und Alkohol, dazu kommen Schlafmangel, chronischer Stress und Übergewicht – Fettzellen schütten selbst entzündungsfördernde Botenstoffe aus.
- Laborwerte wie das hochsensitive C-reaktive Protein oder Interleukin-6 geben Hinweise auf ein erhöhtes Entzündungsniveau. Ein unauffälliger Wert bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass kein Krebsrisiko besteht.
Risiko senken: was kann ich tun? (29:20)
- Erster Schritt ist die eigene familiäre Vorbelastung zu kennen, dazu Grunderkrankungen wie Autoimmunerkrankungen, berufliche Karzinogen-Belastung, chronische Infektionen wie das Epstein-Barr-Virus sowie hormonelle Veränderungen etwa in der Perimenopause.
- Rauchen, Alkohol und Übergewicht zusammen machen laut Markus rund 32 der 45 vermeidbaren Prozentpunkte aller Krebsfälle aus.
- Aussagekräftiger als der Body-Mass-Index ist der Körperfettanteil: Markus empfiehlt einen Zielwert von rund 15 % bei Männern und 18 % bei Frauen.
- Bei der Bewegung reicht die klassische WHO-Empfehlung von 150 Minuten moderatem Training nicht aus: Markus empfiehlt möglichst 9.000 Schritte täglich – das senkt die Gesamtsterblichkeit um bis zu 60 % – plus je zweimal wöchentlich Kraft- und Ausdauertraining. Wie man Trainingszonen und Ausdauertraining systematisch aufbaut, wurde ausführlicher in Folge 9 besprochen.
- Bei der Ernährung zählen ausreichend Omega-3-Fettsäuren und eine antioxidative Ernährung reich an sekundären Pflanzenstoffen, dazu möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel. Beim Fleischkonsum verweist Markus auf die WHO-Einstufung von rotem und verarbeitetem Fleisch: Das statistische Grundrisiko für Darmkrebs von rund 5 % steigt dadurch auf etwa 6 % – ein Anstieg, den er im Verhältnis zum ernährungsphysiologischen Nutzen von Protein als überschaubar einordnet.
Krebsvorsorge: Was in welchem Alter? (47:10)
- Darmkrebs: ein jährlicher Stuhltest auf verstecktes Blut (iFOBT) ab Mitte 30 senkt die krebsspezifische Sterblichkeit um 12 %. Eine Darmspiegelung – laut Leitlinie ab 50, laut Markus schon ab Mitte 40 – senkt sie um 24 %, unter anderem weil sich gutartige Polypen dabei direkt entfernen lassen, bevor sie entarten. Mehr zur Vorsorgekoloskopie und zum Ganzkörper-MRT gibt es in Folge 8.
- Lungenkrebs: für Risikogruppen wie (ehemalige) Raucher, stark Passivrauchbelastete oder beruflich Feinstaub-Exponierte empfiehlt Markus ab dem 40. Lebensjahr ein Niedrigdosis-CT, das die krebsspezifische Sterblichkeit um rund 19 % senken kann.
- Hautkrebs: das offizielle Hautkrebs-Screening greift ab 30 alle zwei Jahre. Markus rät zusätzlich zu einer jährlichen Kontrolle beim Hautarzt sowie einer eigenen Selbstuntersuchung von Kopf bis Fuß alle drei Monate.
- Bei Frauen: Gebärmutterhalskrebs wird ab dem 20. Lebensjahr jährlich beim Gynäkologen kontrolliert. Seit Einführung der Impfung gegen Humane Papillomviren ist diese Krebsart in Deutschland aus den vier häufigsten herausgefallen. Brustkrebs wird ebenfalls jährlich abgetastet, ab 30 ergänzt um Ultraschall.
- Bei Männern: Die offizielle Leitlinie zur Prostatakrebs-Vorsorge beginnt ab dem 45. Lebensjahr mit dem PSA-Wert, bei familiärer Vorbelastung empfiehlt Markus bereits ab 40. Wichtig dabei: den Wert immer im selben Labor bestimmen lassen, denn schon kleine Anstiege innerhalb des Normbereichs können ein Frühzeichen sein.
Behandlung und Ausblick (1:00:50)
- Steht die Diagnose, ist die Operation mit Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe meist der erste Schritt, ergänzt oder ersetzt durch Strahlentherapie, Chemotherapie sowie je nach Tumorart eine Hormon- oder Krebsimmuntherapie.
- Für die Zukunft sieht Markus zwei große Hebel: bessere, KI-gestützte Bildgebung und die sogenannte Liquid Biopsy, bei der Tumor-DNA oder Methylierungsveränderungen direkt im Blut nachgewiesen werden – teils schon heute in ersten etablierten Tests.
- Auf der Impfstoff-Seite arbeitet die Forschung an mRNA-basierten Krebsimpfstoffen, nach demselben Prinzip wie die bereits etablierte HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs. Erste belastbare Daten erwartet Markus ab etwa 2029.
Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Artikel und Produkte, über die wir sprechen, hier verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Artikeln und Produkten keine Geschäftsbeziehung oder werden für die Nennung vergütet.
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