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Krankheit

#28 Demenz verhindern – so senkst du dein Risiko um bis zu 45%

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

400.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Demenz – weltweit sind es aktuell 57 Millionen, bis 2050 könnten es laut Hochrechnungen 134 Millionen werden. Das Beunruhigende daran ist für viele weniger die Zahl selbst als die Vorstellung, die eigenen Kinder oder Angehörigen irgendwann nicht mehr zu erkennen. Markus und Laurenz sprechen in dieser Folge darüber, was im Gehirn bei einer Demenz eigentlich passiert, welche Risikofaktoren wirklich zählen und warum bis zu 45 % aller Fälle vermeidbar sind.

Themen:

  • Warum das persönliche Demenzrisiko ein Ansporn sein kann (00:00)
  • 400.000 Neuerkrankungen pro Jahr – und warum 45 % vermeidbar sind (00:36)
  • Wie Demenz weltweit zunimmt – aktuelle Zahlen und Prognose bis 2050 (01:55)
  • Was im Gehirn passiert: verklebte Proteine und zerstörtes Gewebe (02:56)
  • Primäre vs. sekundäre Demenz – was reversibel ist und was nicht (05:44)
  • Die reversiblen Formen: Vitamin-B12-Mangel, Alkohol, Tumore, Traumata (08:08)
  • Fokus auf die primäre Demenz – 80-90 % aller Fälle sind irreversibel (12:10)
  • Die Risikofaktoren im Überblick: sozial, sensorisch, vaskulär, mental (14:16)
  • Schlaf und das glymphatische System – die Müllabfuhr im Gehirn (17:14)
  • Genetisches Risiko: der Apolipoprotein-E-Wert erklärt (22:54)
  • Warum Frauen ein höheres Demenzrisiko haben (27:42)
  • Das Präventionssystem: Schlaf, mentale Forderung, Stressmanagement (29:01)
  • Warum ein System gegen alle „Big Four"-Krankheiten gleichzeitig wirkt (36:28)
  • Bewegung und Ausdauersport als stärkster Hebel (37:29)
  • Medikamentöse Behandlung und Supplements im Check (40:42)

Show Notes

Was im Gehirn passiert – und warum Demenz kein einzelnes Krankheitsbild ist (02:56)

Was passiert bei einer Demenz eigentlich im Gehirn – und welche Formen gibt es?

  • Demenz ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Formen kognitiven Abbaus. Man unterscheidet primäre Formen, bei denen Hirngewebe dauerhaft geschädigt wird, und sekundäre Formen, die potenziell umkehrbar sind.
  • Bei den primären Formen lagern sich bestimmte Eiweiße im Gehirn ab und stören die Funktion des Gewebes. Die häufigste Form ist die Alzheimer-Krankheit mit rund 60-70 % aller Fälle: Hier verklumpen Beta-Amyloid und Tau-Protein im Hirngewebe.
  • Die zweithäufigste primäre Form ist die vaskuläre Demenz: Hier sorgen Durchblutungsstörungen dafür, dass Hirnzellen absterben – vergleichbar mit vielen kleinen Infarkten im Gehirn.
  • Sekundäre, potenziell reversible Formen können unter anderem durch starken Vitamin-B12-Mangel, chronischen Alkoholkonsum, Hirntumore oder Schädel-Hirn-Traumata entstehen. Wird die Ursache behoben, können sich die Symptome zurückbilden.
  • Von der Häufigkeit her sind aber 80-90 % aller Demenzfälle die nicht umkehrbaren, primären Formen – und genau darauf konzentriert sich der Rest der Folge.

Die Risikofaktoren: sozial, sensorisch, vaskulär und mental (14:16)

Welche Risikofaktoren zahlen wirklich auf ein erhöhtes Demenzrisiko ein?

  • Ein zurückgezogenes Leben mit wenig sozialer Interaktion reduziert die Menge an Informationen, die das Gehirn verarbeiten muss – und gilt damit als eigenständiger Risikofaktor.
  • Nachlassende Seh- und Hörkraft wirkt ähnlich: weniger Reize fürs Gehirn, und bei Hörverlust zusätzlich ein Rückzug aus dem sozialen Leben, weil weniger vom Alltagsgeschehen mitbekommen wird.
  • Alles, was die Durchblutung beeinträchtigt, zahlt aufs Risiko ein: Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Rauchen, aber auch Sportarten mit regelmäßigen Kopfstößen wie Boxen oder American Football.
  • Psychisch-mentale Faktoren spielen ebenfalls eine große Rolle: Prädepressive Phasen und Depressionen erhöhen das Demenzrisiko deutlich – genau wie zu wenig Schlaf.

Schlaf und das glymphatische System – die Müllabfuhr im Gehirn (17:14)

Warum ist ausreichend Tiefschlaf einer der wichtigsten Schutzfaktoren fürs Gehirn?

  • Im Tiefschlaf arbeitet das glymphatische System: Es räumt Stoffwechsel-Abfallprodukte aus dem Gehirn ab, darunter genau die Proteinablagerungen, die eine Alzheimer-Demenz begünstigen. Wer zu wenig schläft, gibt diesem Aufräumprozess nicht genug Zeit.
  • Zusätzlich führt Schlafmangel zu höheren Cortisol-Spitzen und damit zu einer Verschiebung ins Stresssystem – was wiederum die Bildung neuer Ablagerungen begünstigt. Schlafmangel wirkt also über zwei Mechanismen gleichzeitig aufs Demenzrisiko ein.
  • Alkohol am Abend hat einen ähnlichen Effekt: Während der Körper eigentlich mit dem Aufräumen im Gehirn beschäftigt sein sollte, muss er stattdessen den Alkohol abbauen. Wer nicht ganz verzichten möchte, kommt laut Markus mit einem Glas am Mittag statt am Abend besser weg. Der soziale Aspekt geselligen Beisammenseins zählt dabei stärker für die Prävention als der Verzicht auf den Alkohol selbst.

Genetisches Risiko: der Apolipoprotein-E-Wert (22:54)

Was verrät der ApoE-Wert über das eigene, genetisch bedingte Demenzrisiko?

  • Der Apolipoprotein E-Wert zeigt die genetische Veranlagung für Demenz. Man erbt je eine Ausprägung von Vater und Mutter – die möglichen Werte sind 2, 3 oder 4.
  • Bei der Kombination 3/3 (Normaltyp) liegt das Lebenszeitrisiko vor dem 85. Lebensjahr bei etwa 10-15 %.
  • Mit einer einzelnen 4 (z. B. 3/4) steigt das Risiko auf 20-25 %.
  • Bei zwei Vierern (4/4) liegt das Risiko bei 50-60 %.
  • Der Test kostet um die 30 Euro, wird aber nicht von jedem Hausarzt angeboten. Wer sein Risiko kennt, kann es laut Markus als Ansporn nutzen, konsequenter an den beeinflussbaren Faktoren zu arbeiten, statt sich davon verunsichern zu lassen.
  • Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer – rund zwei Drittel aller Alzheimer-Patienten sind Frauen. Das liegt zum einen an der höheren Lebenserwartung, zum anderen an hormonellen Umstellungen, die das Risiko zusätzlich erhöhen können.

Das Präventionssystem: Schlaf, mentale Forderung, Stressmanagement (29:01)

Wie sieht ein alltagstaugliches System zur Demenzprävention konkret aus?

  • Oberste Priorität ist Schlaf: 7 bis 8 Stunden pro Nacht, mit ausreichend Tiefschlafphasen, damit das glymphatische System seine Arbeit machen kann.
  • Zweiter Hauptpunkt ist mentale Forderung: neue Sprachen lernen, ein Instrument lernen, eine Weiterbildung machen oder sich im Job herausfordern lassen. Entscheidend ist, regelmäßig aus der geistigen Komfortzone herauszutreten.
  • Dritter Faktor ist Stressmanagement, insbesondere bei anspruchsvollen Berufen: ein ausgeglichener Hormonhaushalt mit möglichst niedrigen chronischen Cortisol-Werten hält den Körper aus dem dauerhaften Kampf-oder-Flucht-Modus heraus.
  • Ergänzend empfehlen Markus und Laurenz, alle zwei Jahre Seh- und Hörtests zu machen, um Verschlechterungen früh zu bemerken – der Grund: die Anpassung ans Nachlassen der Sinne verläuft so schleichend, dass man sie selbst oft nicht bemerkt.
  • Auch für die Zeit nach dem Berufsleben gilt: rechtzeitig eine Struktur für geistige Forderung aufbauen, etwa durch eine Beratertätigkeit, ein Ehrenamt oder ein Seniorenstudium. Wer erst nach dem Ausstieg beginnt, sich darüber Gedanken zu machen, hat es deutlich schwerer, wieder Anschluss zu finden.

Warum ein System gegen alle „Big Four"-Krankheiten gleichzeitig wirkt (36:28)

Warum zahlt ein gutes Präventionssystem gleich auf mehrere Krankheitsrisiken ein?

  • Die zentralen Risikofaktoren für Demenz – hohes Cholesterin, Übergewicht, Bluthochdruck, Entzündungsprozesse, wenig Schlaf – sind dieselben Faktoren, die auch Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebs begünstigen. Ein gesamtheitliches Präventionssystem zahlt deshalb automatisch auf mehrere der größten Krankheitsrisiken gleichzeitig ein.
  • Umgekehrt gilt auch: Wer eine dieser Erkrankungen entwickelt, erhöht dadurch häufig auch das Risiko für die anderen. Nach einem Schlaganfall etwa sinkt oft die Mobilität, was wiederum soziale Isolation und Bewegungsmangel begünstigt – und damit auch das Demenzrisiko weiter erhöht.

Bewegung und Ausdauersport als stärkster Hebel (37:29)

Welche Rolle spielt Sport – und warum ist Ausdauertraining hier besonders wirksam?

  • Ausdauersport gilt als besonders wirksamer präventiver Faktor. Studien zeigen, dass selbst bei bereits bestehender Demenz regelmäßiges Ausdauertraining die Symptomatik verbessern kann – stärker als reines Krafttraining.
  • Der Effekt kommt vermutlich über einen Abbau- und Regenerationsprozess im Gehirn zustande, der durch Bewegung angestoßen wird.

Medikamentöse Behandlung und Supplements im Check (40:42)

Was können Medikamente und Supplements bei Demenz heute wirklich leisten?

  • Medikamentöse Ansätze können den Verlauf einer bereits bestehenden Demenz verlangsamen, aber nicht stoppen oder rückgängig machen. Ein Ansatz zielt darauf ab, den Abbau von Acetylcholin zu hemmen, damit mehr Botenstoff für die Kommunikation zwischen Nervenzellen zur Verfügung steht. Andere Wirkstoffe, etwa Antikörper, sollen bestehende Proteinablagerungen abbauen oder deren Neubildung verhindern.
  • Bei Supplements gibt es aktuell noch keinen klaren Nachweis, dass ein einzelnes Präparat Demenz verhindern kann. Eine Ausnahme ist Kreatin: Hier zeigt sich ein positiver Effekt auf die Informationsverarbeitung im Gehirn. Übliche Dosierung sind 5 bis 10 Gramm täglich, die Tageszeit spielt eine untergeordnete Rolle.
  • Zu Lithium gibt es zunehmend Diskussion: Es existiert eine auffällige Korrelation zwischen Einnahme und positiven Effekten im Gehirn, gestützt durch Vergleiche mit Tierstudien – ein signifikanter Nachweis am Menschen steht aber noch aus. Markus und Laurenz kündigen dazu eine eigene, ausführlichere Folge an.

„Wenn man den größten Hebel für Demenzprävention benennen müsste: Der Hebel ist deutlich stärker über die Prävention als über Medikamente." – Markus

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