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Basics

#14 Getting Started 14 – Muss ich für Longevity zum Mönch werden?

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Longevity wird oft mit extremem Verzicht, Millionenbudgets und Selbstkasteiung gleichgesetzt. In dieser Spezialfolge von Getting Started räumen Markus und Laurenz mit den größten Mythen rund um das Thema auf – und zeigen, warum langes und erfülltes Leben kein Widerspruch ist, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Auslöser war eine hitzige öffentliche Debatte, unter anderem angestoßen durch Lanz und Precht, die Longevity mit „langweiligem Leben“ gleichgesetzt haben.

Themen:

  • Muss ich für Longevity auf alles verzichten? Die Basisarbeit im Überblick (00:00)
  • Lieber genießen als lange leben? Warum diese These ein fataler Fehler ist (07:01)
  • Longevity kostet Millionen – oder doch nicht? Was wirklich hinter dem Mythos steckt (22:17)
  • Ist Longevity nur was für Hypochonder? Was chronische Krankheiten wirklich bedeuten (31:34)
  • Wann sollte ich auf meinen Körper hören – und wann brauche ich Daten und Blutwerte? (39:28)

Show Notes

Muss ich für Longevity auf alles verzichten? Die Basisarbeit im Überblick (00:00)

  • Longevity ist als Begriff abgedriftet – vom ursprünglichen Fokus auf Gesundheitsbasics hin zu teuren Supplements, Wearables und Extremoptimierung
  • Der eigentliche Ansatz: Erst die Grundlagen stabilisieren, bevor man in Mikrooptimierung investiert
  • Was gehört zur Basisarbeit?
    • Herz-Kreislauf-Erkrankungen präventiv angehen: Gewicht, Blutdruck, Cholesterin, Bewegung, Schlaf, Ernährung
    • 40 % aller Todesfälle in Deutschland gehen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück
    • 90 % davon wären durch konsequente Basisarbeit vermeidbar
  • Wer bei den Basics anfängt, braucht keinen Bryan-Johnson-Ansatz für einen massiven Gesundheitseffekt

„Wenn ich mich um ein längeres, ein gesundes Leben kümmern möchte, muss ich als Allererstes mal den Fokus auf diese Basics legen. Und dann habe ich einen komplett anderen Hebel.“ – Markus

Quellen:

1. OECD/EU (2025) – State of Health in the EU – Germany Country Health Profile 2025. OECD Publishing. (Herz-Kreislauf als Haupttodesursache in Deutschland)

Lieber genießen als lange leben? Warum diese These ein fataler Fehler ist (07:01)

  • Der häufigste Einwand gegen Longevity: „Ich will mein Leben genießen – mit Wein, Burger, Feiern, spät ins Bett gehen.“
  • Markus’ Antwort: Genuss und Gesundheit schließen sich nicht aus – wenn man die Relation richtig setzt

Die 80/20-Regel – oder: 300 von 365 Tagen

  • Wer ~300 Tage im Jahr (ca. 80 %) einen gesunden Lebensstil führt, kann die restlichen 65 Tage vollständig genießen – ohne schädliche Auswirkungen
  • Diese 65 Tage entsprechen: einmal die Woche spät ausgehen, ein Wochenendtrip, Feiertage mit Familie, ein paar Konzerte – viel mehr als man denkt
  • Die letzten 20 % auf 100 % zu bringen, kostet das Vierfache an Disziplin – und bringt verhältnismäßig wenig zusätzlich

Genuss wird intensiver – nicht weniger

  • Wer jeden Tag feiert, genießt nichts mehr wirklich – die Trennschärfe geht verloren
  • Seltenere Genussmomente werden intensiver erlebt und bewusster ausgekostet
  • Sich gut zu fühlen, Energie zu haben, gute Laune auszustrahlen – das ist selbst eine Form von Genuss

„Sich gut in seiner Haut fühlen, viel Energie zu haben, gute Laune zu haben, gute Laune auch auszustrahlen. Das ist ja auch selber eine Form von Genuss in sich selber.“ – Laurenz

Die Ausnahme ist kein Freifahrtschein

  • Achtung: Wer ohnehin jeden Abend spät aufbleibt (Netflix, YouTube), darf diese Zeit nicht als „Sozialleben“ verbuchen
  • Die Ausnahme muss wirklich Ausnahme bleiben – sonst wird aus 80/20 unbemerkt 50/50

Longevity kostet Millionen – oder doch nicht? Was wirklich hinter dem Mythos steckt (22:17)

  • Bryan Johnson gibt Millionen im Jahr für Longevity aus – und ist das Gesicht des Trends. Das schreckt ab.
  • Die Realität: Die größten Hebel sind kostenlos oder nahezu kostenlos

Konkretes Beispiel: Herz-Kreislauf-Prävention

  • Zwei der wichtigsten Marker für Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko:
    • Lipoprotein(a) (Lp(a)): genetisch bestimmter Wert – knapp 30 % der Bevölkerung haben einen erhöhten Wert; stark assoziiert mit frühzeitigen Herzinfarkten und Schlaganfällen
    • Apolipoprotein B (ApoB): Präziserer Marker als LDL-Cholesterin – ebenfalls bei ca. 30 % der Teilnehmer erhöht
  • Wer beide Werte hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko für Atherosklerose und Herzereignisse
  • Behandlungsoption: Cholesterinsenker (z. B. Statine) kosten als Generikum ca. 6 Euro pro Monat – und können einen Herzinfarkt mit Intensivstation, Herzkathetertisch und Rehabilitation ersetzen

„Wenn ich für eine Drei-Monats-Packung von so einem Cholesterinsenker 17 Euro ausgebe und kriege damit einen der Hauptrisikofaktoren für diese Erkrankung in Griff – da brauche ich nicht um Millionen rechnen.“ – Markus

  • Weitere Basis-Maßnahmen ohne Kosten: Schlafroutine optimieren, 2–3x Sport pro Woche, Ernährung anpassen
  • Wer mehr über diese Medikamente und Maßnahmen lernen möchte, unsere kostenlose Longevity-Grundausbildung (Videokurs) gibt es unter longgame.de/videokurs

Longevity ist nur was für Hypochonder? Was chronische Krankheiten wirklich bedeuten (31:34)

  • These: „Ich bin doch gesund. Warum soll ich zum Arzt gehen?“
  • Fakten aus EU-Daten, die dagegensprechen:
    • Deutsche verbringen im Schnitt über 15 Jahre mit chronischen Erkrankungen am Ende ihres Lebens
    • Deutschland hat gleichzeitig die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben fürs Gesundheitswesen in ganz Europa (Anmerkung der Redaktion: Laurenz ist ein kleiner Fehler unterlaufen. Laut neuesten OECD-Zahlen von 2025 steht Deutschland an zweiter, nicht an erster Stelle der Pro-Kopf-Ausgaben. Das schwächt die Botschaft nicht, sei aber hier nur der Richtigkeit halber erwähnt)
    • Viel Geld, viele kranke Jahre – das ist kein Widerspruch, sondern ein systemisches Problem

Quellen:

1. OECD/EU (2025) – State of Health in the EU – Germany Country Health Profile 2025. OECD Publishing. (Deutschland mit zweithöchsten pro Kopf Ausgaben für Gesundheitswesen)

Wie chronische Krankheiten entstehen – am Beispiel Prostatakrebs

  • Chronische Krankheiten entstehen schleichend – ohne Schmerzen, ohne Symptome
  • Typischer Verlauf:
    1. Ende 40: Ein Mikroprozess beginnt unbemerkt
    2. Anfang/Mitte 50: Diagnose – z. B. Prostatakrebs oder Herzinfarkt
    3. Ab Diagnosestellung: Operationen, Chemo, dauerhafte psychische Belastung, Folgekomplikationen
  • Das Tückische: Wenn man es spürt, ist es oft zu spät für eine Behandlung ohne irreparable Schäden

„Es tut erst dann weh, wenn es zu spät ist, um mit Prävention entgegenzuwirken. Und erst wenn es zu spät ist greift dann unser Gesundheitssystem.“ – Markus

Prävention: Frühzeitig hinschauen rettet Leben

  • Markus berichtet aus seiner Praxis: Zwei Patienten mit PSA-Werten im „Normbereich“ – aber mit einer Dynamik im Verlauf, die Alarm geschlagen hat
  • Ergebnis: Früheste Stufe von Prostatakrebs entdeckt, erfolgreich operiert – nur weil Vorwerte bekannt waren
  • Ohne die Verläufe wäre nichts aufgefallen – der Wert selbst lag im Normbereich
  • Das ist keine Hypochondrie, sondern intelligente Prävention

„Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich krank machen möchte, sondern es hat etwas damit zu tun, dass ich mich um mich kümmere, damit ich eine Erkrankung verhindere.“ – Markus

Grafik 1: Gesunde Lebensjahre ab 65 – Männer, EU-Vergleich 2015 und 2023


Grafik 2: Gesunde Lebensjahre ab 65 – Frauen, EU-Vergleich 2015 und 2023


Anmerkung der Redaktion: Die Grafiken zeigen, wie viele gesunde Lebensjahre einer Person ab 65 im Durchschnitt verbleiben. Bei deutschen Männern sind das ca. 8,4 Jahre, bei Frauen ca. 12,3 Jahre (Eurostat 2023). Bei einer Lebenserwartung von ~18,5 Jahren (Männer) bzw. ~21,8 Jahren (Frauen) ab 65 bedeutet das: Rund 10 Jahre nach dem 65. Geburtstag werden mit Einschränkungen oder Erkrankungen verbracht – nur in diesem Lebensabschnitt. Der Rest der zitierten „über 15 Jahre chronisch krank“ erschließt sich zusätzlich aus der Zeit vor dem 65. Lebensjahr. Kurz gesagt: chronisch krank zu sein ist der Standard in Deutschland – nicht die Ausnahme.

Quellen:

1. Eurostat (2023) – Healthy life years statistics

Wann sollte ich auf meinen Körper hören – und wann brauche ich Daten und Blutwerte? (39:28)

  • These: „Ich vertraue lieber auf mein Körpergefühl als auf irgendwelche Wearables und Daten.“
  • Markus’ differenzierte Antwort: Beides hat seinen Platz – aber nicht beim selben Thema

Wo Körpergefühl sinnvoll ist:

  • Schlaf: Wenn man aufwacht und sich zu ca. 80 % erholt fühlt, war die Nacht gut – unabhängig vom Wearable-Score
  • Belastung beim Sport: Schnaufen unter Belastung ist normal. Wenn es immer und zunehmend auftritt, dann Arzt aufsuchen
  • Ernährung: Eigenbeobachtung, wie Lebensmittel vertragen werden (Blähungen, Durchfall, müde nach dem Essen) ist sehr valide

Wo man dem Körpergefühl nicht vertrauen sollte:

  • Präventive Blutwerte, wie zum Beispiel Lipoprotein(a), Apolipoprotein B, Prostatakarzinom: Diese Risikofaktoren und Erkrankungen haben keine Symptome im Frühstadium
  • Blutwerte: Mindestens einmal jährlich eine umfassende Blutabnahme – bei Medikamenten oder Supplements auch zwischendurch
  • Krebsvorsorge: Frauen einmal jährlich zum Gynäkologen; Männer regelmäßige Kontrolle beim Urologen; alle: Hautarzt alle 1–2 Jahre für Leberflecken

Longevity als individueller Plan – kein Schema F

  • Jeder Longevity-Plan muss an die eigene Lebenssituation angepasst werden: Familie, Schichtarbeit, Homeoffice, soziale Verpflichtungen
  • Markus stellt bei der Erstaufnahme über 50 Fragen – Aufstehzeit, Kinder, Partner, Sozialumfeld, Arbeitssituation – bevor er einen Plan erstellt
  • Schritt-für-Schritt-Methode: Ein Thema pro 2–3 Monate – erst Schlaf etablieren, dann Sport, dann Ernährung

„Wir haben so viel Grundlagenarbeit vor uns in Deutschland. Der weiß zwar jeder, auf was er eigentlich achten sollte, aber es ist für kaum jemanden möglich, aus Eigenenergie heraus seinen Alltag so anzupassen.“ – Markus

  • Soziales Leben und Longevity sind kein Widerspruch – aber man muss bewusst Blöcke für beides einplanen
  • Auch Laurenz ist von seinem strikten 20-Uhr-ins-Bett-Regime zurückgekommen und plant aktiv Sozialzeit ein

„Ein ‚ach hätt ich doch‘ hat noch keinen gesund gemacht.“ – Markus

Zusammenfassung: Die größten Longevity-Mythen – und was wirklich stimmt

These / Mythos LONGGAME-Einordnung
Longevity kostet Millionen Falsch – die Basics haben die größten Hebel. Einzig muss man seine Strategie individuell an sich und sein Leben anpassen.
Genuss vs. langes Leben Kein Widerspruch: 80/20-Regel ermöglicht beides gleichzeitig. Entscheidend sind gesunde Angewohnheiten.
Longevity ist nur für Hypochonder Chronische Krankheiten entstehen unbemerkt – Prävention ist kein Luxus. Wer erst zum Arzt geht, wenn es weh tut, macht einen großen Irrtum.
Ich höre auf meinen Körper Sinnvoll bei Schlaf, Ernährung, Belastung – nicht bei Präventionsmedizin wie Blutwerten oder Krebsvorsorge.

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