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Krankheit

#23 Herzinfarkt in der Familie – was nun?

Markus & Laurenz
Markus & Laurenz

Wer einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in der Familie hat, trägt ein deutlich höheres Risiko als der Durchschnitt. Die gute Nachricht: Mit dem heutigen Stand der Medizin lassen sich rund neun von zehn dieser Ereignisse vermeiden. Markus und Laurenz bauen in dieser Folge ein praxisnahes System – vom Verstehen der Werte über die wichtigsten Risikofaktoren bis zu Lifestyle und Medikamenten.

Themen:

  • Warum dieses Thema fast jeden betrifft (00:00)
  • Wie ein Herzinfarkt entsteht: Cholesterin, LDL, HDL und ApoB (02:30)
  • Von der Ablagerung zum Thrombus: Arteriosklerose (08:30)
  • Herzinfarkt und Schlaganfall: derselbe Mechanismus (15:00)
  • Risikofaktor Blutwerte: Lp(a), ApoB und ApoE (17:30)
  • Entzündung und Stoffwechsel: Omega-3, hsCRP, Homocystein, HOMA (31:00)
  • Rauchen, Blutdruck und Schlafapnoe (34:00)
  • Übergewicht, Körperfett und Diabetes (38:24)
  • Ab wann Ablagerungen beginnen (43:57)
  • Lifestyle: Ernährung, Sport und der 8000-Schritte-Hebel (49:29)
  • Schlaf, die „Big Fails" und Mikroplastik (57:30)
  • Medikamente: Statine, Ezetimib, PCSK9 und neue Wirkstoffe (1:03:00)
  • Blutdruck, Blutzucker, Abnehmspritzen und Fazit (1:14:30)

Show Notes

Wie ein Herzinfarkt entsteht: Cholesterin, LDL, HDL und ApoB (02:30)

Was passiert im Körper eigentlich genau, wenn ein Herzinfarkt entsteht?

Ein Herzinfarkt entsteht, wenn der Herzmuskel mehr Sauerstoff braucht, als er bekommt – meist weil ein versorgendes Gefäß verstopft ist. Die betroffenen Muskelzellen sterben ab.

  • Gutes und schlechtes Cholesterin: Cholesterin wird im Blut von Transportern bewegt. Das „gute" HDL bringt es zurück zur Leber, die „schlechten" Transporter wie LDL bringen es zu den Organen und lagern es unterwegs an den Gefäßwänden ab
  • Warum ApoB der bessere Wert ist: Statt nur eine Transporter-Sorte (LDL) zu zählen, erfasst das Apolipoprotein B (ApoB) alle schädlichen Partikel auf einmal – Markus' Bild dazu ist der Polizist, der nicht die Fahrzeugtypen unterscheidet, sondern einfach jede „Tür" zählt
  • ApoB steht selten im Standard-Blutbild und muss gezielt angefordert werden

Von der Ablagerung zum Thrombus: Arteriosklerose (08:30)

Wie wird aus einer kleinen Ablagerung ein lebensbedrohlicher Gefäßverschluss?

Lagert sich schlechtes Cholesterin an der Gefäßwand ab, reagiert das Immunsystem, die Stelle entzündet sich und es entsteht ein wachsender Pfropf – der Kern der Arteriosklerose. Reißt diese Ablagerung auf, bildet sich ein Thrombus, der das Gefäß komplett verschließt.

  • Warum der Körper das nicht „wegevolviert" hat: Er braucht Cholesterin als Baustein für Hormone, kommt mit dem dauerhaften Überschuss aus der modernen Ernährung aber nicht zurecht. Da die Erkrankung erst nach der Fortpflanzungsphase zuschlägt, gibt es keinen Selektionsdruck dagegen
  • Häufigste Todesursache: Rund 46 % aller Todesfälle gehen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück – und ein großer Teil davon wäre vermeidbar

Herzinfarkt und Schlaganfall: derselbe Mechanismus (15:00)

Warum steckt hinter Herzinfarkt und Schlaganfall im Kern dasselbe Problem?

  • Gleiches Prinzip, anderer Ort: Beim Schlaganfall verstopft statt eines Herzkranzgefäßes ein Gefäß im Gehirn. Ob Herz, Gehirn oder Bein entscheidet nur, welche „Autobahn" dicht ist – die Mechanik dahinter ist dieselbe
  • Infarkt heißt Zelltod durch Sauerstoffmangel: Immer dann, wenn Gewebe weniger Sauerstoff bekommt, als es braucht, gehen Zellen zugrunde

Risikofaktor Blutwerte: Lp(a), ApoB und ApoE (17:30)

Welche Blutwerte verraten das genetische Risiko – und was bedeuten sie?

  • Lipoprotein(a): der wichtigste genetische Wert – von Geburt an festgelegt, verändert sich kaum und steht nicht im normalen Blutbild. Ohne weiteren Risikofaktor liegt das Risiko für ein potenziell tödliches Ereignis bei etwa 5 %, in der Grauzone bei rund 7 %, bei deutlich erhöhten Werten (ab 50 mg/dl) bei etwa 14 %. In Deutschland hat etwa ein Viertel der Menschen erhöhte Werte
  • ApoB: das Gesamtvolumen der schädlichen Transporter – der zentrale Cholesterin-Wert, den man kennen sollte
  • ApoE (Apolipoprotein E): wird über die Allele 2, 3 und 4 vererbt. Grob gilt: Ein 2er-Allel erhöht das Risiko für Ablagerungen, ein 4er-Allel das für Demenz, die Konstellation 3/3 ist am neutralsten
  • Diese Lipid- und Genwerte werden in unserer zweiteiligen Blutbild-Folge ausführlich erklärt – siehe Folge 6

„Wer ein erhöhtes Lp(a) in sich trägt und nichts davon weiß, kann sich kerngesund fühlen und trotzdem eine gefährliche Konstellation mit sich herumtragen." – Markus

Entzündung und Stoffwechsel: Omega-3, hsCRP, Homocystein, HOMA (31:00)

Welche Werte zeigen stille Entzündungen und Stoffwechselprobleme früh an?

  • Blutzucker im Blick: Neben dem Langzeitzucker HbA1c lohnt der HOMA-Index, der zeigt, wie gut der Körper auf Insulin reagiert – ein Frühindikator für Insulinresistenz
  • Entzündungsmarker: Ein guter Omega-3-Index wirkt entzündungshemmend an den Gefäßen. Dazu kommen das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP) und Homocystein als weitere Entzündungshinweise
  • Diese metabolischen und entzündlichen Werte vertiefen wir im zweiten Teil des Longevity-Blutbilds in Folge 7

Rauchen, Blutdruck und Schlafapnoe (34:00)

Welche Alltagsfaktoren treiben das Risiko oft unbemerkt nach oben?

  • Rauchen: einer der stärksten Einzelfaktoren – dauerhaftes Rauchen schädigt die Gefäße zuverlässig
  • Blutdruck: Optimal sind 120/80 oder weniger. Alles darüber erhöht über Scherkräfte an den Gefäßwänden das Risiko spürbar
  • Schlafapnoe: Atemaussetzer in der Nacht sind ein versteckter Treiber. Sie lassen die Sauerstoffsättigung absacken, lösen eine Stressreaktion aus und betreffen möglicherweise bis zu 25 % der Menschen – oft unbemerkt

Übergewicht, Körperfett und Diabetes (38:24)

Warum ist Körperfett mehr als nur ein kosmetisches Thema?

  • Warum Fett entzündet: Überschüssiges Körperfett fördert entzündliche Prozesse und treibt zugleich den Blutdruck nach oben
  • Auf die Zusammensetzung kommt es an: Aussagekräftiger als der BMI ist das Verhältnis von Muskelmasse zu Fett. Als Orientierung nennt Markus einen Körperfettanteil, der nicht dauerhaft über 14–15 % liegen sollte
  • Risiken multiplizieren sich: Kommen mehrere Faktoren zusammen, addiert sich das Risiko nicht nur – es vervielfacht sich. Etwa ein Drittel der Menschen hat einen Blutdruck von 140/90 oder mehr

Ab wann Ablagerungen beginnen (43:57)

Wann beginnt die Arteriosklerose – und lässt sie sich noch aufhalten?

  • Früher als gedacht: Erste Ablagerungen können ab Mitte 30 entstehen; bei jungen Infarkt-Patienten war fast immer ein erhöhtes Lp(a) im Spiel. Markus berichtet von einer Patientin Anfang 30 mit bereits 50 % Engstelle
  • Nicht umkehrbar, aber bremsbar: Einmal vorhandene Ablagerungen verschwinden nicht wieder. Wer früh gegensteuert, flacht aber die Kurve ab und gewinnt Jahre
  • Zusätzliche Diagnostik: Ein Ultraschall der Halsgefäße zeigt frühe Ablagerungen. Bei hohem Risiko kommt ein CT der Herzkranzgefäße infrage – wegen der Strahlenbelastung aber nur bei klarer Indikation

Lifestyle: Ernährung, Sport und der 8000-Schritte-Hebel (49:29)

Welche Lebensstil-Hebel bringen am meisten – und welcher ist der einfachste?

  • Ernährung: weniger gesättigte Fettsäuren (vor allem aus stark verarbeiteten und sehr fetten tierischen Produkten), dafür mehr Omega-3 aus Fisch oder Algen und genügend Ballaststoffe, die den Cholesterinstoffwechsel unterstützen
  • Kraft und Ausdauer: Mehr Muskelmasse zieht Zucker aus dem Blut und senkt das Diabetes-Risiko. Ausdauer verbessert die VO2max – je höher die Herz-Kreislauf-Fitness, desto geringer das Ereignisrisiko. Wie man Ausdauer und VO2max gezielt aufbaut, zeigen wir in Folge 9
  • Der einfachste Hebel: Schon rund 8.000 Schritte am Tag senken das Risiko um etwa 60 %. Alles darüber hilft zusätzlich, aber mit kleinerem Zugewinn

Schlaf, die „Big Fails" und Mikroplastik (57:30)

Welche Faktoren sollte man unbedingt vermeiden – und welches Thema kommt neu dazu?

  • Schlaf: 7 bis 8 Stunden sind das Ziel; zu wenig Schlaf hebt das Risiko nachweislich
  • Die „Big Fails": Rauchen streichen und Alkohol so weit wie möglich reduzieren. Auch Shisha, Vapes und – in geringerem Maße – Nikotinbeutel zählen dazu. Langes Sitzen und chronischer Stress wirken in dieselbe Richtung
  • Mikroplastik: ein aufkommendes Thema – in manchen Gefäßablagerungen wurde ein hoher Anteil an Mikroplastik gefunden. Worin man Lebensmittel erhitzt und aufbewahrt, lässt sich aktiv beeinflussen

Medikamente: Statine, Ezetimib, PCSK9 und neue Wirkstoffe (1:03:00)

Welche Medikamente stehen zur Verfügung – und was kommt neu auf den Markt?

  • Statine: senken das Cholesterin am stärksten, indem sie die körpereigene Produktion in der Leber hemmen
  • Kombinationen: Ezetimib reduziert die Cholesterin-Aufnahme aus dem Darm, Bempedoinsäure wirkt ähnlich wie ein Statin eine Stufe früher. Oft werden zwei oder drei dieser Mittel kombiniert
  • Zielwerte ApoB: ohne Risikofaktoren unter 100 mg/dl, mit einigen Faktoren unter 70, bei hohem Risiko unter 60 oder besser 55
  • PCSK9-Hemmer: werden gespritzt (alle zwei Wochen oder halbjährlich) und senken das Cholesterin um rund 60 %. Die halbjährliche Variante beruht auf siRNA-Technologie. Sie sind teuer, weshalb die Kassen meist erst die Tabletten verlangen
  • Was neu kommt: In der Pipeline stehen Obicetrapib (senkt LDL und Triglyceride und hebt das HDL) sowie mit Lepodisiran und Muvalaplin zwei Wirkstoffe gezielt gegen das genetische Lp(a) – mit Markteinführungen voraussichtlich ab 2027

Blutdruck, Blutzucker, Abnehmspritzen und Fazit (1:14:30)

Welche weiteren Stellschrauben gibt es – und was ist die Kernbotschaft der Folge?

  • Großer Werkzeugkasten: Neben dem Cholesterin lassen sich auch Bluthochdruck und Blutzucker medikamentös einstellen. Gegen Übergewicht kommen Inkretinmimetika – die GLP-1-Abnehmspritzen mit Wirkstoffen wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro) – infrage, die zugleich das Diabetes-Risiko senken
  • Das persönliche Fazit: Laurenz hat die Werte seiner Mutter eingeordnet. Sie ernährt sich gesund und macht Kraftsport, hatte aber Ausdauer vernachlässigt – der größte Hebel war hier schlicht mehr Ausdauertraining
  • Die Kernbotschaft: Wer seine Werte kennt und seine Risikofaktoren konsequent angeht, nimmt der häufigsten Todesursache einen großen Teil ihrer Wucht

„Wenn ihr diese Faktoren einstellt und umsetzt, habt ihr rund 90 Prozent der häufigsten Todesursache unserer Gesellschaft vom Tisch." – Markus

Hinweis: Wo sinnvoll, haben wir weiterführende Artikel und Produkte, über die wir sprechen, hier verlinkt. Wir haben mit den verlinkten Artikeln und Produkten keine Geschäftsbeziehung oder werden für die Nennung vergütet.

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